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  • Kipfenberg im oberbayerischen Landkreis Eichstätt
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  • Infopoint Limes - Burg Kipfenberg - Geographischer Mittelpunkt Bayerns
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  • Raetischer Limes bei Altmannstein
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  • Deutsche Limes Radweg - Kastell Abusina (Eining, LK KEH)
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zu den
Informationen

Das Römische Reich

Das Römische Reich (lat. Imperium Romanum) existierte zwischen dem 8. Jahrhundert v. Chr. und 7. Jahrhundert n. Chr., wobei eine eindeutige Abgrenzung von der historischen Bewertung abhängt (Jahreszahlen sind wegen fließender Übergänge als Richtwerte zu verstehen).

Untergliederung

  • Römische Königszeit: 753 v. Chr. bis 509 v. Chr.
  • Römische Republik: 509 v. Chr. bis 27 v. Chr.
  • Römische Kaiserzeit: 27 v. Chr. bis 3. Jahrhundert
  • Spätantike: ab 284/285 bis ins 6./7. Jahrhundert 

Die gesamte Regierungszeit der Römer erstreckte sich über mehr als 1000 Jahre, beginnend von der Gründung Roms (753 v. Chr.) bis zum Fall des Weströmischen Reiches (476 n. Chr.).

Reichsteilung

Das Weströmische Reich (395–476 n. Chr.) des geteilten Römischen Reiches endete mit der Absetzung des letzten Kaisers Romulus Augustulus im Jahr 476 n. Chr. 

Das Oströmisches Reich (Byzantinisches Reich) war die unmittelbare Fortsetzung des Römischen Reiches, das aus der Reichsteilung von 395 n. Chr. hervorging. Das Oströmische Reich existierte bis zur Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen im Jahr 1453 n. Chr., womit es den Untergang Westroms um fast 1000 Jahre überdauerte. Die Macht im Oströmischen Reich ging vom Kaiser aus, der mit göttlicher Legitimation regierte. Die Eigenbezeichnung der Byzantiner war „Römer“. Wird die Regierungszeit der Römer von rund 1000 Jahre hinzu addiert ergibt sich zumindest theoretisch eine Zeitspanne von ca. 2000 Jahren, in der das römische Machtgebilde existent war. Damit zählt das Römische Reich neben dem antiken Ägypten, dem Chinesischen Kaiserreich und dem Osmanischen Reich zu den dauerhaftesten Herrschaftssystemen, was sie gleichwohl nicht vom Untergang bewahrte.

Nachfolgestaaten

Nach dem Fall des Weströmischen Reiches folgte im Frühmittelalter das Fränkische Reich (5.-9. Jh.), das zuerst von den Merowingern und später den Karolingern regiert wurde. Unter Karl dem Großen (* wahrscheinlich 2. April 747 oder 748; † 28. Januar 814) erreichte das Frankenreich nicht nur seine größte Ausdehnung, sondern galt als erster westeuropäischer Herrscher seit der Antike mit Kaiserwürde ausgestattet als Vorläufer des heutigen Frankreichs und Deutschlands.

Der Begriff „Deutsch-Römisches Reich“ bezieht sich in der Regel auf das 'Heilige Römische Reich Deutscher Nation', das von 962 bis 1806 bestand und als Herrschaftsnachfolge des Römischen Reiches gilt. Die Bezeichnung wurde durch den Zusatz „Heiliges“ (ab 12. Jh) und später durch den Zusatz „Deutscher Nation“ (ab 15. Jh) ergänzt. Das 'Heilige Römische Reich Deutscher Nation' war über den gesamten Zeitraum von ständiger politischer Zersplitterung geprägt, die sich aus Hunderten kleinerer, häufig konkurrierender geistlichen Fürstentümer (Bistümer, Abteien) und weltlichen Territorien (Herzogtümer, Grafschaften, Freie Städte) zusammensetzte. 

Das 'Heilige Römische Reich Deutscher Nation' endete 1806. Anstelle dessen wurde nach der Niederlage Napoleons 1815 der Deutsche Bund gegründet, dem Deutsche Staaten beitraten, was Kaiser Franz II. durch erfolgte Reichsaustritte zur Abdankung bewog.   

Ursprünge

Rom entwickelte sich von einer kleinen Siedlung am Tiber zur Hauptstadt eines großen Reiches, dem Imperium Romanum. Doch bis es soweit war mussten die Römer sich zunächst erfolgreich gegen ihre Nachbarn auf dem italienischen Festland durchsetzen, bevor ihnen Kriege und diplomatische Bündnisse Gebietseroberungen bescherten, die ihr Einflussgebiet über zahlreiche römische Provinzen ausdehnte. Das Goldene Zeitalter Roms lässt sich in der Epoche der Adoptivkaiser von Nerva (reg. 96–98 n.Chr.) bis Mark Aurel (reg. 161–180 n.Chr.) eingrenzen. Besonders Trajan (* 18. September 53; † 8. August 117 n.Chr.) unter dessen Führung das Römische Reich seine größte Ausdehnung erlangte, ging als bester Kaiser in die Geschichte ein. Das Territorium erstreckte sich durch massive Eroberungsfeldzüge von Persien bis England und schloß den gesamten Mittelmeerraum ein.

Bild: Kolosseum in Rom (antiker Name: Amphitheatrum Novum oder Amphitheatrum Flavium, italienisch: Colosseo, Anfiteatro Flavio), welches das größte jemals gebaute Amphitheater der Welt ist. Errichtet wurde es zwischen 72 und 80 n. Chr. Das Kolosseum diente als Austragungsort zumeist grausamer Veranstaltungen (z.B. Gladiatorenkämpfe auf Leben und Tot), die von Mitgliedern des Kaiserhauses zur Unterhaltung und Belustigung der freien Bewohner Roms und des römischen Reichs bei freiem Eintritt ausgerichtet wurden. 

Bild: Heute ist die Ruine des monströsen Kolosseums eines der bedeutsamsten Wahrzeichen der Stadt Rom, das zugleich Zeugnis für die meisterliche und überschwängliche Baukunst der Römer in der Antike ablegt.

Auch Hadrian (* 24. Januar 76, † 10. Juli 138 n.Chr.) - der den Hadrianswall bauen bzw. das Pantheon fertigstellen ließ - trat als kaiserliche Lichtgestalt mit einer Vielzahl von Bauwerken auf und ließ unter anderem den obergermanischen Limes mit Gräben, Palisaden und Schutzwällen verstärken. Die Imperatoren Trajan und Hadrian führten das Weltreich zu seiner größten Blüte. Bezeichnenderweise waren es die Römer, die den Begriff „Imperium", so wie wir ihn heute kennen, erstmals verwendeten. Der Begriff leitet sich von dem lateinischen  Verb „imperare" ab, was so viel wie  „herrschen", „befehlen“ oder „gebieten“ bedeutet.

Erste römische Feldzüge nach Germanien

Die ersten römischen Feldzüge nach Germanien erfolgten noch vor Beginn der Jahreszählung mit Christi Geburt im Jahr Null (Zeitrechnung NACH Christi Geburt und Zeitrechnung VOR Christi Geburt). In den Jahren 58 bis 51 vor Christus eroberte Gaius Julius Caesar (* 13. Juli 100 v. Chr.; † 15. März 44 v. Chr.) Gallien, das aus dem heutigen Frankreich, Belgien, der Westschweiz und den größten Teilen des linksrheinischen Deutschlands bestand. Anfangs fungierte der Rhein praktischerweise als Flussgrenze zwischen den rechtsrheinischen Siedlungsgebieten germanischer Stämme sowie dem Imperium Romanum. Doch regelmäßig fielen germanische Stämme in die gallischen Provinzen ein und sorgten fortwährend für Aufruhr, worauf die römischen Herrscher mit einer klugen Doppelstrategie agierten. Demzufolge wurde neben der militärischen Unterwerfung mit politischen und diplomatischen Mitteln versucht Unruhen und Aufstände zu verhindern. Rom schmiedete strategische Allianzen und war so in der Lage, germanische Stämme gegeneinander auszuspielen. Zur Erfolgsstrategie gehörte auch, Germanen für die Dienste in römischen Legionen zu rekrutieren (Auxiliartruppen), um sie schrittweise zu romanisieren. Diese Hilfstruppen, die aus verbündeten Völkern bzw. freie oder stammeszugehörige Bewohner der Grenzprovinzen ohne römisches Bürgerrecht bestanden, verstärkten nicht nur die Einheiten der römischen Armee, sondern leisteten für die beabsichtigte Romanisierung der Bevölkerung einen wertvollen Dienst. Auserkorene Germanenoberhäupter wurden mit römischen Titeln geehrt, was zudem das Zugehörigkeitsgefühl und die Loyalität gegenüber den Machthabern stärkte.

Varusschlacht im Teutoburger Wald

In der so genannten Varusschlacht im Teutoburger Wald, auch bekannt als Hermannsschlacht, rieben germanische Stämme unter der Führung des Cheruskerfürsten Arminius im Jahre 9 n.Chr. drei römische Legionen auf. Seitdem wird Arminius ("Hermann der Cherusker") als Retter Germaniens glorifiziert. Immerhin siegte er als Befehlshaber einer handvoll germanischer Stämme gegen eine zahlenmäßig weitaus überlegene - wohl 18.000 Mann starke - römische Armee. Die Schlacht gilt gewissermaßen als Geburtsstunde der deutschen Nation, die ihren Niederschlag in der Geschichte fand. Die Niederlage düpierte die sieggewohnten Legionen und saß den Machthabern des Römischen Reichs jahrzehntelang wie ein Stachel im Fleisch. 

Entstehungsgeschichte des Limes

Der Obergermanisch-Raetische Limes verlief damals mitunter durch sehr unwegsames Gelände. 55 v. Chr. setzten erstmals die Truppen von Gaius Iulius Caesar über den Rhein, wobei die Feldherren unmöglich ahnen konnten, wie lange ihre Expansionspolitik im Römischen Reich andauern sollte. Die einstmals von germanischen Stämmen besiedelte Region wurde im Laufe der Zeit römisch kultiviert. Eine Vielzahl archäologischer Funde - angefangen von Pflasterstraßen über herrschaftliche Gutshöfe bis hin zu Städtegründungen - gehen auf diese Epoche zurück. So ist dem Nachfolger von Gaius Julius Caesars - dem ersten römischen Kaiser Augustus (Gaius Octavius 63 v. Chr.–14 n. Chr.) -  die Gründung von Augusta Treverorum, dem heutigen Trier zu verdanken. Um 15 v. Chr. erfolgte durch seine Stiefsöhne Drusus und Tiberius, den späteren Kaiser „die Unterwerfung der Alpenstämme und die Besetzung des nördlichen Alpenvorlandes“. Im Nordosten der Alpenregion entstand zu dieser Zeit die Provinz Raetia, wo z.B. aus dem angelegten Militärlager Augusta Vindelicum viele Jahre später die Stadt Augsburg hervorging. Um das Jahr 85 n. Chr. errichtete Domitian die Provinzen Germania superior (Sitz des Statthalters war Mogontiacum, das heutige Mainz) und Germania inferior, dessen Hauptstadt Colonia Claudia Ara Agrippinensium, das heutige Köln war. Auch die Entstehungsgeschichte der Welterbestadt Regensburgs lässt sich auf den Bau eines Kohortenkastells 79 n. Chr. im heutigen Stadtteil Kumpfmühl zurückführen. Einhundert Jahre später errichteten die Römer am Regenufer zur Sicherung der Grenze gegen die Germanen das Legionslager <Castra Regina> (6000 Soldaten). Letztlich belegen historische Fakten, dass schon lange vor Gründung vieler Städte in Deutschland eine Besiedelung vorausging, die auf römischen Wurzeln fußt.  

Nach der verlorenen Varusschlacht zogen sich die römischen Truppen endgültig in die linksrheinischen Gebiete zurück, zumal die dichten Wälder bzw. das unwegsame Geläde östlich des Rheins ohnehin als uneinnehmbar galten. Nichtsdestotrotz sollten die eroberten Regionen wirksam gesichert werden, denn die blitzartigen Überfälle der germanischen Stämme - die den römischen Legionen zahlenmäßig unterlegen waren - verursachten fortwährend hohe Verluste. Daher ließ der römische Kaiser Domitian (* 24. Oktober 51; † 18. September 96 n.Chr.) in seinem Feldzug gegen den Stamm der Chatten (83 bis 85 n. Chr.) breite Waldschneisen schlagen, Barrikaden errichten und Patrouillenwege anlegen, um einfallenden Germanen das Eindringen zu erschweren bzw. ihnen gegebenenfalls den Rückzug abzuschneiden. Den Schutzvorkehrungen sollte alsbald mit dem Bau des Obergermanisch-Raetischen Limes ein noch viel gigantischeres Projekt folgen. Zug um Zug wurde die Grenzsicherung ausgebaut, die die römisch kontrollierten Provinzen klar von den Gebieten außerhalb des Imperium Romanum abgrenzte, wodurch der Herrschaftsbereich für jeden Menschen eindeutig sichtbar war. 

Anstatt kriegerisch ins Barbaricum einzufallen, baute das römische Heer den Limes zwischen dem Ende des 1. und Mitte des 2. Jahrhunderts n. Chr. als Korridor durch das uneroberte Gebiet zwischen Rhein und Donau. Streckenweise durchschnitt dieser Korridor unwegsames Gelände und dichte Wälder über Berg und Tal. Zunächst wurde nur ein unscheinbarer Weg angelegt, der später von errichteten Holz-Wachttürmen flankiert war, von denen die Soldaten eine Sichtverbindung zueinander hatten. 

Entlang des Weges verlief zusätzlich eine Palisade aus etwa 3 Meter hohen, nach oben zugespitzten Holzpfählen sowie einem (Erd-) Wall und einem Graben. Von mindestens 900 Wachttürmen aus - die bis zu drei Etagen gehabt haben und etwa 10 Meter hoch gewesen sein sollen - unternahmen die Soldaten regelmäßig ihre Patrouillengänge. Im Laufe der Zeit wurden noch Mauern und steinerne Wachttürme gebaut. So entwickelte sich aus einem ursprünglichen Weg durch unerobertes Land eine künstlich erschaffene Grenzlinie, die die römischen Provinzen  Obergermanien und Rätien gegenüber dem Barbaricum abgrenzte und sich über Deutschland, die Niederlande bis Britannien fortsetzte (Hadrianswall / Antoniuswall).Im Hinterland des Limes entstanden Kastelle zur Unterbringung für die Truppen. Bis zum dritten Jahrhundert hatte der (Land-) Limes in Deutschland eine Länge von etwa 500 Kilometer, zu über 60 Kastelle und eine ganze Anzahl von Kleinkastelle gehörten. 

Unter dem römischen Kaiser Titus (79-81 n. Chr.) und Domitian (81-96 n. Chr.) überschritten die römischen Truppen die Donau und legten erstmals dauerhafte Kastelle an. In der Anfangsphase um 100 n.Chr. bestanden die Befestigungsanlagen in Obergermanien und Raetien lediglich aus geflochtenen Zäunen, an denen – im Abstand von einigen hundert Metern bis zu zwei Kilometern – Holzwachtürme errichtet wurden. Rund 30 Jahre später wurde der unvollkommen geschützte Grenzwall durch eine durchgehende Holzpalisade befestigt, während 40 Jahre später baufällige Holztürme durch stabilere Steintürme ersetzt wurden.

Abbildung: das Schaubild (Standort Museum Quintana in Künzing, Landkeis Deggendorf/Niederbayern) stellt den Verlauf des obergermanisch-raetischen Limes sowie die "nasse Grenze" des Donaulimes bis Passau dar.

In den Folgejahren wurde die Grenzlinie durch weitere Kastellanlagen samt des Limes geschützt. Der 160 n.Chr. errichtete Schutzwall stellte die nördliche Grenzlinie der römischen Provinzen Raetien und Obergermanien dar. In Bayern befindet sich die nördlichste Stelle des raetischen Limes am östlichen Stadtrand von Gunzenhausen im Burgstallwald, während der nördlichste Punkt des Donaulimes die Welterbestadt Regensburg markiert.

Gegen Ende des 2. Jahrhunderts wurden im obergermanischen Teil die Palisadenwände durch einen Wall mit vorgelagertem Graben verstärkt, wogegen im raetischen Abschnitt sogar Steinmauern errichtet wurden welche die Wachtürme miteinschlossen. In der Endausbaustufe gab es entlang der Grenzlinie insgesamt 900 Wachtürme, die jeweils von bis zu acht Mann besetzt waren. Die Besatzung der in Sichtweite befindlichen Türme hatte die Aufgabe, Einfälle der Germanen möglichst frühzeitig zu beobachten und mittels Rauchzeichen zu melden. Im unmittelbaren Hinterland der Grenze befanden sich im Abstand von mehreren Kilometern etwa 120 kleinere und größere Kastelle. Die dort beheimateten sogenannten Hilfssoldaten (Auxiliartruppen) von jeweils mehreren hundert Mann Stärke konnten bei akuter Gefahrenlage unverzüglich ausrücken. Im Falle größerer Angriffe wurden die Hilfstruppen von Einheiten aus den befestigten Legionslagern, Mainz, Straßburg und Regensburg unterstützt.

 Obergermanisch-Raetische Limes

Als die Kelten und Germanen von den Römischen Armeen unter dem Kommando Kaiser Augustus um 15 v. Chr. vernichtend besiegt waren, wurde das gesamte Gebiet südlich der Donau und westlich des Rheins ins Römische Reich eingegliedert. Die Baugeschichte des Limes begann im frühen 2. Jahrhundert n.Chr., als die Römer – anfangs noch mit bescheidenen Mitteln – versuchten die Grenzlinie abzusichern. 

In der nachfolgenden Bauphase unter den römischen Kaisern Hadrian (117-138) und Antoninus Pius (138-161) wurde die Grenze nach Osten ausgedehnt. Römische Bautrupps schlugen Schneisen in unwegsame dichte Wälder, legten Verbindungswege an, hoben Gräben aus und schütteten (Schutz-) Wälle auf. Auf einer Länge von 550 Kilometern entstand eine durchgehende Reihe hölzerner Wachttürme (später aus Stein) sowie vorgelagerte Holzpalisaden, die lückenlos die Grenzsicherung vom Rhein bis zur Donau sicher stellten. Im finalen Bauabschnitt gegen Ende des 2. Jahrhunderts und später wurde der Obergermanische Limes mit einem Wall- und Grabensystem verstärkt, während der Raetische Limes, im Volksmund „Teufelsmauer“ genannt, als durchgängige, bis zu drei Meter hohe Steinmauer mit Steintürmen von Grund auf neu errichtet wurde. Am Obergermanischen Limes gelang es den Römern einzelne Germanenstämme als „Bundesgenossen“ zur Grenzverteidigung anzusiedeln, was am Rätischen Limes weniger erfolgreich funktionierte. Deshalb fiel die Befestigung in diesem Abschnitt stabiler aus. Der Bau dieser Grenzbefestigung war schon deshalb eine technische Meisterleistung, weil teilweise immense Höhenunterschiede überwunden sowie Flussläufe überbrückt werden mussten. Es wird vermutet, dass die Römer mit Hilfe von Peilgeräten die Linienführung exakt bestimmen konnten. Nichts desto trotz war der Limes nicht als hermetische Abschottung geplant. Vielmehr gab es abschnittsweise Durchlässe, wo germanische wie römische Händler zum Austausch von Waren passieren durften. 

Als überwachte Demarkationslinie repräsentierte der Limes das äußere Ende der durch Rom verwalteten und beschützten Welt. Über einhundert Militärlager und neunhundert Wachttürme reihten sich entlang der Grenzsperren, die in der Provinz Obergermanien aus Holzpalisaden bzw. Erdwällen und Gräben bzw. in der Provinz Raetien aus Steinmauern bestanden. Germaneneinfälle nach der Mitte des 3. Jhs läuteten den Niedergang der römischen Siedlungen entlang und hinter dem Limes ein.

Der Obergermanisch-Raetische Limes ist mit 550 km das längste Bodendenkmal Europas. Er stellte in der Zeit vom frühen zweiten bis zum dritten Jahrhundert die Grenzlinie zwischen dem Römischen Reich und den germanischen Stammesverbänden dar und verläuft durch die Gebiete der heutigen Bundesländer Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und Rheinland-Pfalz.Das Welterbe-Komitee der UNESCO beschloss 2005 in Durban (Südafrika) die Aufnahme des Obergermanisch-Raetischen Limes als Teil des neuen Welterbes „Grenzen des römischen Reiches“ in die Liste der Welterbestätten.

Der wesentliche Unterschied zwischen dem Obergermanischen Limes und dem Rätischen Limes liegt in seiner baulichen Konstruktionsweise: während der Limes in Obergermanien zunächst nur von einem Weg mit Wachtürmen und später nach mehreren Ausbauphasen schließlich von Gräben und Wälle gebildet wurde, bestand er in Rätien aus einer etwa 3 Meter hohen und bis zu 1,2 Meter dicken Steinmauer. 

Rom - Nabel der Welt

Die Redewendung "Nabel der Welt" stammt von den Griechen (Mittelpunkt, wichtigstes Zentrum der Welt) und wird häufig für die außergewöhnliche Bedeutsamkeit von Rom verwendet. Beileiibe nicht übertrieben, denn keine andere Stadt dieser Welt stand von der Antike bis zur heutigen Zeit so sehr in enger Beziehung zu den unterschiedlichsten Regionen Europas wie Rom. Sei es als Macht- oder Kunstzentrum, als Ort herausragender Reliquien, als kreative Inspirationsquelle für Kultur, Kulinarik und Lebensweise (Kleidung, Badekultur etc.) oder Sitz des Papstes - die Stadt wirkte geistig-religiös, politisch-administrativ, künstlerisch, sprachlich und kulinarisch auf Europa unvorstellbar nachhaltig ein.

Bevor Rom sich von einer unbedeutenden Siedlung am Tiber zur Hauptstadt des Römischen Reiches - dem Imperium Romanum - entwickelte, bedurfte es etlicher militärischer Feldzüge - beginnend auf dem italienischen Festland. In der Folgezeit gelang es den Herrschern durch zahlreiche Kriege und Bündnisse ihr Einflussgebiet Zug um Zug zu vergrößern. Zum Zeitpunkt seiner größten Ausdehnung unter Kaiser Trajan (* 53 n.CHr.  † 8. August 117)  erstreckte sich das Römische Reich über Territorien auf drei Kontinente. Rund um das Mittelmeer - von Gallien, Mauretanien, Syrien und Ägypten weiter über Teile Germaniens und Britanniens bis zu den Gebieten rund um das Schwarze Meer beherrschte Rom eine Fläche von rund 3,4 Millionen Quadratkilometer, was die neuneinhalbfache Größe des heutigen Deutschlands entspricht.

Durch unbeirrbares Großmachtstreben breitete sich das Römische Reich zunehmend in Europa bis nach Nordafrika aus. Um die Gebiete unter römischer Verwaltung vom "finsteren" Barbarenland zu trennen bedurfte es Grenzbefestigungen, die sich bis ins heutige Schottland („Hadrian’s Wall“) bzw. nach Syrien („limes arabicus“) ausdehnten.

Nimmt man den römischen Geschichsschreiber Titus Livius (59 v.Chr. bis 17 n.Chr.) beim Wort, so fällt das Gründungsdatum von Rom auf den 21. April 753 v.Chr., wonach die größte Ausdehnung des Römischen Reichs unter Kaiser Trajan (57-113 n.Chr.) erfolgte, die den gesamten Mittelmeerraum umfasste. Das Sprichwort: "alle Straßen führen nach Rom" spiegelt die unerschütterliche Weltanschauung wider, die Rom damals zugemessen wurde. Legt man das Jahr 1453 als Ende des Imperiums (geknüpft am Zerfall von Byzanz) fest, so existierte das Römische Reich sage und schreibe 2.206 Jahre.

Keine andere Stadt in der Welt stand von der Antike bis zur Gegenwart in so enger Beziehung zum heutigen Europa wie die "Ewige Stadt" mit ihrer drei Jahrtausend alten wechselvollen Geschichte. Ob geistig, religiös, politisch, künstlerisch oder kulinarisch - Rom übte als Machtzentrum auf Europa in den unterschiedlichsten Lebensbereichen kolossalen Einfluss aus. Es ist bezeichnend, dass lateinische Buchstaben, Bezeichnungen, Redewendungen oder Inhalte aus dem Rechts- und Staatwesen in vielen Ländern Europas bis heute erhalten blieben.

Alltagsleben der Römischen Besatzer

Hier kultivierte Römer - dort aggressive, raubende und plündernde Germanen  - die sich gegenseitig bekriegten. Ein Klischee, das sich in vielen Köpfen verankert hatte. Dabei belegen Archäologen anhand jüngster Ausgrabungen, daß durchaus ein friedliches Zusammenleben (Koexistenz) herrschte - der einen schwungvollen Handel mit einbezog.

Der Alltag der Menschen in den Kastellen bzw. den zumeist umgebenden Siedlungen (Vicus) war überwiegend vom friedlichen Landleben geprägt, was Funde von Koch- und Tafelgeschirr, Spielsteine, Schmuck und Schreibgriffel etc. belegen. Wie andere Völker zu dieser Zeit auch, lebten die Römer überwiegend von der Landwirtschaft, d.h. sie hielten Vieh, bauten Obst und Gemüse an und bestellten redlich ihre Äcker. Im Schutz des Obergermanisch-Rätischen Limes - der sogenannten Teufelsmauer - setzte ein Bevölkerungswachstum ein, was dem Handwerk einen ungeahnten Aufschwung verlieh. Neben den Familien der Soldaten lebten Handwerker und Händler sowie Betreiber zahlreicher Schankwirtschaften in der Grenzregion, die alle von der Kaufkraft der Römer profitierten. Hatten die Germanen z.B. an Waffen, Schmuck und Töpferware Interesse so boten sie zum Tausch dafür Vieh, Felle, Honig, Wachs feil. Auch Bernstein - das "Gold Germaniens" - war bei den Römern sehr begehrt. Die unscheinbare Taktik lag darin, germanische Stammesfürsten in den eroberten Territorien für eigene Zwecke einzuspannen. Dem kam auch die gehobene Lebensqualität recht, wie z.B. Theatervorstellungen, fließend Wasser und Badkultur. Wasserknappheit begegneten die Römer mit dem Bau monströser Aquädukte und Wasserleitungen, die den Bewohnern einen nie dagewesenen Komfort bescherten. Technische Errungenschaften, die die althergebrachte Lebensweise der Germanen schlichtweg auf den Kopf stellte. 

So betrachtet entwickelte sich der Grenzwall zu einer Kultur- und Wohlstandsbarriere, wobei die germanische Bevölkerung von den Errungenschaften der römischen Zivilisation wie z.B. verbesserte Anbaumethoden, moderne Bautechniken und hygienische Standards nur bedingt profitierte. Es bestand zwar ein Warenhandel mit den Römern, gleichwohl blieb die eigene Lebensweise unverändert, d.h. die modernen Errungenschaften wurden nicht übernommen. Sprache, Kultur und Traditionen blieben erhalten, doch der Lebensstandard blieb verglichen dem der römischen "Nachbarn" weit zurück. Somit förderte der Limes die Entwicklung einer wohlhabenderen Region diesseits und einer ärmeren Randregion jenseits des Grenze.

Niedergang des Limes

Der Zusammenbruch des römischen Imperiums hatte vielerlei Ursachen. Als unmittelbarer Auslöser gilt die einsetzende Völkerwanderung: Einerseits drangen die Hunnen aus Asien nach Ostmitteleuropa ein, andererseits zogen dort ansässige Völker Richtung Westen und Süden und bedrängten ihrerseits wiederum das Römische Reich.

Es wird gemutmaßt, dass strukturelle Probleme, angebliche Dekadenz, religiöse und soziale Umbrüche, Bürgerkriege sowie der Druck durch Angreifer (Germanen, Hunnen, Perser) für die Entwicklung in der Spätantike verantwortlich zu machen sind. Fest steht, dass das Oströmische/Byzantinische Reich den Zusammenbruch des weströmischen Kaisertums überdauerte.

Auch wirtschaftliche Probleme der Städte sowie schwere Epidemien werden als mögliche Gründe angeführt, dass die Expansionspolitik aufgegeben wurde und der Rückzug sich auf eine lineare Grenzverteidigung beschränkte.

Die ökonomischen Unterschiede diesseits und jenseits des Limes weckten natürlich Begehrlichkeiten auf der unterentwickelten Seite des Grenzwalls. Anfang des 3. Jahrhunderts gab es vermehrte germanische Überfälle. Aus römischer Sicht war es dabei besonders fatal, dass manche germanische Krieger - gut ausgebildet vom römischen Heer - unerwartet abtünnig wurden und ihre eigenen (Macht-) Interessen durchzusetzen versuchten.  

233 nach Christus wurden große Teile der Legionärstruppen in den Donauprovinzen für einen Krieg gegen die Perser abgezogen. Germanische Kriegerbünde nutzten umgehend die Schwäche Roms und starteten ausgedehnte Plünderungszüge jenseits des Limes. In den Folgejahren konnten die germanischen Verbände zwar zurückgeschlagen werden, dennoch stagnierte der Wiederaufbau der zerstörten Gebiete.

Da ein Großteil der römischen Truppen an etlichen Krisenherden des riesigen Reiches gebunden waren, wurden demensprechend viele Grenzübergänge geschlossen, zerstörte bzw. baufällige Kastelle nicht wiederaufgebaut und Dörfer nicht wiederbesiedelt. Im Gleichklang durch die fehlende Kaufkraft der abkommandierten Soldaten begann der wirtschaftliche Niedergang der germanischen Provinzen. 

Machtpolitische Querelen und kurzfristige römische Herrscherwechsel verschärften die Krise in Germanien mitte des 3. Jahrhunderts. So wurden Truppen in römischen Bürgerkriegen aufgerieben bzw. angeworbene Söldnertruppen bereicherten sich durch Plünderungen. 

Germanische Völker drangen territorial tief nach Gallien, Spanien und Italien ein. Nur verlustreiche Gegenwehr vermochte die Invasion der germanischen Eindringlinge zurück zu schlagen. Derweil verkümmerte die Limesregion zum bedeutungslosen Niemandsland. Die ehemalige militärische Präsenz zur Sicherung der Grenzen war im Laufe der Zeit völlig verschwunden.

Im Jahre 274 nach Christus ließ der römische Kaiser Aurelian das Limesgebiet endgültig räumen und die Militärgrenze zum Rhein zurückverlegt. Überreste der Anlagen blieben zwar erhalten, doch die ehemalige Bedeutsamkeit der erschaffenen Bauwerke geriet Generation um Generation immer mehr in Vergessenheit.

Im Jahre 476 endet mit der Absetzung des letzten Kaisers Romulus Augustus, den seine Gegner "Augustulus" (Kaiserlein) nannten, das weströmische Reich. Der germanische Heerführer Odoaker wurde zum König von Italien ernannt und stellte das Land unter die Oberherrschaft des Kaisers von Ostrom.

Da sich der Übergang von der Spätantike zum europäischen Frühmittelalter vielerorts schleichend vollzog ist es schier unmöglich ein exaktes Datum für das Ende der Antike allgemeingültig festzulegen.

Römische Militärlager waren die Keimzelle für spätere Stadtgründungen

Nachdem Gaius Iulius Caesar mit seinen Truppen erstmals 55 v. Chr. über den Rhein setzte und ab 13/12 v. Chr. unter dem Feldherrn Drusus (Kaiser Augustus) mehrere Feldzüge nach Germanien erfolgten hielt die römische Herrschaft etwa fünfhundert Jahre an, bevor das Weströmische Reich im 5. Jahrhundert n. Chr. unter dem Angriffsdruck germanischer Stämme zusammenbrach. Allerdings scheiterten dreißig Jahre lang sämtliche Versuche, das rechtsrheinische Gebiet bis zur Elbe zur Römischen Provinz zu machen (Augusteische Germanenkriege). Nur der Westen und Süden des heutigen Deutschlands wurden demnach römisch kultiviert, was archäologische Funde wie Straßenführungen und spätere Städtegründungen belegen. 

Römerstädte gehen ursprünglich auf Militärlager oder römische Siedlungen zurück. Sie reihen sich südlich sowie westlich des Limes wie an einer Perlenschnur auf. Der Grenzwall markierte die Grenze zwischen den römisch kontrollierten Provinzen und den Gebieten außerhalb des Imperium Romanum, was einen Schutz vor einfallenden germanischen Stämmen bot. 

Römerstädte

  • Castra Regina → Regensburg (Legionslager mit angrenzender Zivilsiedlung)
  • Kastell Sorviodurum → Straubing
  • Augusta Vindelicorum →  Augsburg
  • Kastell Batavis → Passau

  • Argentorate → Straßburg

  • Mogontiacum → Mainz (Hauptstadt der Provinz Obergermaniens bzw. in der Spätantike Germania II)
  • Augusta Treverorum →  Trier (gegründet von Kaiser Augustus, älteste deutsche Stadt, wurde unter Kaiser Diokletian (*um 240, †313/316, Kaiser von 284 bis 305) zu einer der Hauptstädte des Römischen Reichs erhoben
  • Antunnacum →  Andernach
  • Bonna → Bonn
  • Novaesium → Neuss
  • Colonia Ulpia Traiana →  Xanten
  • Colonia Claudia Ara Agrippinensium → Köln (Hauptstadt der ehemaligen röm. Provinz Niedergermanien, in ihrer Blütezeit etwa 40000 Einwohner)

Beim Bau der Städte und Siedlungen gingen die Römer äußerst planmäßig, strukturiert und professionell vor. Charakteristisch ist der schachbrettartige Grundriss, wie ihn erstmals der Grieche Hippodamos von Milet 479 vor Christus in Griechenland eingeführt hat. Zu erkennen an deren rechteckiger Form und den Straßen, die im rechten Winkel zueinander angelegt wurden. Typisch sind zwei Hauptstraßen, die sich rechtwinklig kreuzen, woraus sich vier Viertel ergeben in deren Mitte (Zentrum) sich ein Platz – das Forum - befand. 

Bild: Porta Prätoria in Regensburg (Castra Regina). Die Donaustadt war in antiker Zeit ein Legionslager mit einer angrenzenden Zivilsiedlung. In der Spätantike schrumpfte die Lagerbesatzung, sodass die Zivilbevölkerung hinter schützenden Mauern genügend Platz fand. Es entstand eine befestigte Siedlung, währenddessen die ungeschützte Zivilsiedlung außerhalb den Toren der Stadt unterging. Somit ist das mittelalterliche Regensburg nicht aus der Zivilsiedlung sondern vielmehr aus dem Legionslager hervorgegangen.

Auxiliartruppen 

Auxiliartruppen waren Einheiten der römischen Armee, rekrutiert aus verbündeten Völkern bzw. freie oder stammeszugehörige Bewohner der Grenzprovinzen die kein römisches Bürgerrecht besaßen. Die sogenannten Hilfstruppen (lat. auxiliari = helfen) ergänzten die Infanterie der Legionstruppen. Sie stellten laut Geschichtsschreiber und römischen Senator Tacitus (* um 58 n. Chr.; † um 120) etwa die Hälfte der regulären römischen Streitkräfte (rund 150.000 Soldaten). Deren Offiziere (meist abkommandierte Legionsoffiziere) stiegen bei Versetzung in eine Auxiliareinheit jeweils um eine Rangstufe höher auf.

(Hilfs-) Soldaten erhielten zwar weniger Sold als die Legionäre (römische Bürger) doch dafür stand das begehrte römische Bürgerrecht in Aussicht, das sie bei ehrenhafter Entlassung nach der regulären Dienstzeit von 25 Jahren zumeist zugesprochen bekamen welches sich sogar auf  die Nachkommen übertrug.

Ab dem 4. Jahrhundert verschwinden die Auxilia weitgehend aus den Geschichtsquellen, da die reichsfremden Soldaten entweder Seite an Seite mit Römern in der regulären Armee dienten, wo die Tapfersten unter ihnen die Karriereleiter bis in höchste Offiziersränge aufrückten, oder durch einen gesonderten Bündnisvertrag (foedus) an Rom gebundene Söldner (foederati) unter eigenen Anführern befehligen durften.

Der römische Kaiser Marcus Aurelius Severus Antoninus - genannt Caracalla - der von 211–217 n.Chr. regierte - verlieh in der »Constitutio Antoniniana«  im Jahr 212 allen freien Untertanen des Imperiums das römische Bürgerrecht. Dabei spielte weniger soziales Engagement eine Rolle, sondern vielmehr führten finanzielle Beweggründe zu diesem einschneidenden Gesetz. Wie der Historiker und Zeitgenosse Cassius Dio berichtet: „In der Tat aber in der Absicht, um auch dadurch seine Einkünfte zu vermehren, weil die Nichtbürger viele dieser Abgaben nicht entrichtet hatten“. Die Maßnahme machte aus 30 Millionen Nichtrömern schlagartig römische Bürger, wodurch allein die Erbschaftssteuer sich verdoppelt haben soll. Insofern mag es wohl dem Zeitgeist geschuldet sein, dass das schriftliche Dokument in Form eines Papyrus 2017 in die Unesco-Liste aufgenommen wurde. Der  ansonsten unter Verschluss gehaltene Papyrus kann Donnerstag und Freitag jeweils von 10.00 bis 20.00 Uhr in einer klimatisierten Spezialvitrine in der Universitätsbibliothek Gießen besichtigt werden. Zur ganzen Wahrheit gehört aber auch, dass Caracalla einer der übelst beleumundeten Herrscher Roms war. Demnach ließ er allen Anschein nach neben seinem Bruder Tausende Würdenträger und andere Angehörige des Hofes und der höheren Gesellschaft hinrichten, von einfachen Untertanen ganz zu schweigen.

Anfänglich hatte die Forschung die »Constitutio Antoniniana« vermeintlich als Meilenstein gelungener Integration gefeiert. Dem war aber gar nicht so, denn mit der großzügigen Verteilung des römischen Bürgerrechts begann keineswegs eine Ära friedlicher, multikultureller Gleichheit. Dazu die britische Historikerin Mary Beard: „Sobald alle die Bürgerrechte besaßen, verloren sie ihre Bedeutung.“ Statt zwischen privilegierten Römern und Nichtrömern unterschied man bald zwischen „honestiores“ (Ehrbaren) und „humiliores“ (Geringeren), was sich auch in rechtlicher Ungleichheit niederschlug.„Sobald alle die Bürgerrechte besaßen, verloren sie ihre Bedeutung.“ Statt zwischen privilegierten Römern und Nichtrömern unterschied man bald zwischen „honestiores“ (Ehrbaren) und „humiliores“ (Geringeren), was sich auch in rechtlicher Ungleichheit niederschlug.

Kulturgutverlust - Wiederaufleben der Römerzeit

Bedauerlicherweise ging viel Wissen über die Römerzeit im Mittelalter verloren. Grund waren in der Regel praktische Erwägungen wie die Kostbarkeit des (Bau-) Materials, Schriftumstellung, verändertes literarisches Interesse - möglicherweise auch religiöse Motive. Das Ausmaß verloren gegangener antiker Literatur ist beträchtlich, weshalb manche Forschungsergebnisse bzw. Thesen eher vage - sprich wissenschaftlich als nicht gesichert gelten. Hinzu kommt, dass Zeugnisse und Relikte aus der damaligen Epoche nach 2000 Jahren schlicht verschwunden sind, weil sie entweder unsichbar in der Erde ruhen oder irgendwann (in Städten) überbaut wurden. Ganz zu schweigen das (systematische) Abtragen der Reste römischer Mauern und Bauwerke im Mittelalter (zur Errichtung neuer Bauwerke), weil Baumaterial hochbegehrt war was unwiderruflich leider wertvolle historische Bausubstanz zerstörte. So wurde in zahlreichen Kirchen Ziegel oder Weihesteine mit römischen Inschriften  wie beispielsweise in der Einhardsbasilika von Seligenstadt oder Tuffsteinquader der Mauer im Augsburger Dom verbaut. Auch die Bismarcksäule und der Pulverturm in Gunzenhausen wurden mit Steinen römischer Mauerreste errichtet.

Verschwundenes Kulturgut ist mit verantwortlich, warum wissenschaftliche Auswertungen so schwierig sind was ansonsten wesentlich präzisere Antworten auf unzählige Fragen geliefert hätte.

Latein wurde im gesamten Reich zur Amtssprache. Ein Erbe, das auch nach dem Untergang des Imperium Romanum bis heute fortwirkt. So war in ganz West- und Mitteleuropa Latein bis in die Zeit des Barocks die geläufige Sprache der gebildeten Gesellschaftsschicht. Aus dem Lateinischen entstanden später die romanischen Sprachen, unter anderem Französisch, Italienisch, Spanisch, Portugiesisch und Rumänisch. Zudem finden sich viele lateinische Lehnwörter in den germanischen und den slawischen Sprachen. In der römisch-katholischen Kirche ist Latein bis heute Amtssprache, wogegen auch in Wissenschaften wie Biologie und Medizin zahlreiche lateinische Fachausdrücke in der Gegenwart Anwendung finden. 

 Untergliederung der Legionstruppen

Kohorten sind eine Untergliederungseinheit der römischen Legionstruppen. Sie wurden in Kohorten (von lateinisch cohors was soviel wie „umfriedeter Raum, Hof“ bedeutet) gegliedert, die jeweils aus drei Manipel bestanden. Eine Legion (rund 3600–6000 Mann) bestand aus zehn Kohorten (360–600 Mann), welche ihrerseits 3 Manipeln hatte. 1 Manipel (120–200 Mann) bestand wiederum aus 2 Centurien. Der Ranghöchste unter den sechs Centurionen kommandierte die Kohorte. Da zu den Centurionen weitere Dienstgrade und Dienstpersonal gehörten, belief sich eine Kohorte auf 480 schwer bewaffnete Fußsoldaten sowie 120 weitere Personen, also insgesamt 600 Mann.

 Wachtürme am Limes

Eines der wesentlichen Elemente des römischen Limes in Germanien stellten Wachttürme dar. Ihre Hauptaufgabe diente nicht der Verteidigung der jeweiligen Limesabschnitte sondern vielmehr deren Überwachung (Prävention). Sie waren so positioniert, um zwischen den einzelnen Türmen bzw. zum nächstgelegen Kastell eine Kommunikation (akustisch/visuell) zu ermöglichen. Voraussetzung hierfür war die Sichtbarkeit der wachhabenden Soldaten, weshalb die Turmabstände je nach Gelände mehr oder weniger stark variierten. Somit sicherten die Türme eine durchgängige Meldekette, indem von Turm zu Turm Zeichen weitergeben wurden. Bei Sichtbehinderungen wie Nebel wurden die Signale mit Hörnern akustisch, bei Nacht mit Fackeln optisch weitergegeben.

Die Wachmannschaften (4-5 Soldaten) konnten größere Angriffe auf längere Sicht nicht abwehren sondern mussten sich nur so lange halten bis Verstärkung aus den umliegenden Kastellen eintraf. 

Entlang des Limes wurden insgesamt über 900 Türme errichtet. Anfänglich war die Grenze nicht durch Palisaden oder Mauern befestigt. Zunächst als Holztürme auf Erdhügeln errichtet, waren sie von Gräben umzogen welche der Entwässerung dienten. Ab Mitte des 2. Jahrhunderts wurden die Holztürme am Limes durch widerstandsfähigere Steintürme ersetzt. 

Ein Vergleich der Raetischen Mauer mit der erheblich aufwendigeren Anlage der Hadriansmauer in Großbritannien zeigt, dass der Raetische Limes nicht wie in Großbritannien als Verteidigungsbollwerk, sondern lediglich als Demarkationslinie diente, die den römischen Verwaltungsbereich sichtbar machen sollte.

Die Türme waren in der Regel nur über eine Leiter im ersten Stock zu betreten wo sich der Wohnraum der Soldaten befand. Das Erdgeschoss diente als Vorratsraum. Im zweiten Obergeschoss lag die Wachstube, deren Besatzung aus vier bis fünf Mann bestand, die jeweils für mehrere Tage aus den hinter der Grenze gelegenen Kastellen zum Wachdienst am Limes abkommandiert waren.

Nicht römische Legionäre wie man glauben mag dienten am Limes sondern die Soldaten der Hilfstruppen (Auxilia. Diese Auxiliareinheiten rekrutierten sich v.a. aus Peregrini, d.h. Soldaten, die aus der rechtlich schlechter gestellten Bevölkerung der römischen Provinzen stammten. Mit ihrer ehrenvollen Entlassung nach 25 Jahren Dienst erhielten sie allerdings das römische Bürgerrecht für sich und ihre Nachkommen womit sie den römischen Bürgern rechtlich gleichgestellt waren.

Die Grenzsicherung mit 7 Legionen (je Legion rund 5000 Soldaten) war für das römische Reich ein extrem aufwändiges Unterfangen.

   Satire

Zweifelsohne haben wir den Römern enorm viele Errungenschaften zu verdanken, die weit über Straßenbau, Fußbodenheizung, fließend Wasser etc. hinausgehen. Ein Großteil von dem prägt unsere Welt bis heute. Dabei ist man sich häufig nicht bewusst, auf wen sich  Pionierleistungen - von denen die Welt bis in die Gegenwart profitiert - eigentlich gründen. So begegnen wir allgegenwärtig Spuren der römischen Kultur wie z.B. in der Kirche, der Medizin, dem Rechtswesen, der Architektur, der Sprache und Literatur, in Gesetzen und Verwaltung, im Sport, in der Kunst und der Technik. Selbst der julianische Kalender sowie das Alphabet stammt von römischen Gelehrten, das sich im Lauf der Zeit auf dem gesamten Abendland verbreitete.

Dementsprechend widmen sich dem Thema zahlreiche Filme (z.B. der Monumental- und Historienfilm Ben Hur) sowie literarische Werke, die schon fast zeitlose Popularität genießen. Allen voran die Kunstfiguren Asterix & Obelix, die wohl jedem geläufig sein dürften.

Abbildung: Asterixheft Band 39

Selbst zweitausend Jahre nach ihrem ersten Auftreten in unseren Breiten und rund 1500 Jahre nach ihrem Rückzug, hat die Zeit der Römer nichts von ihrem glanzvollen Ruhm und Pathos eingebüßt. Römerfestivitäten, Römermärsche, Römertage und Römerspiele - aber auch Museen - halten die Erinnerung an das verblichene Römische Reich lebendig bzw. das Interesse wach. Abgesehen von der nüchternen wissenschaftlichen Betrachtung befassen sich Künstler, Filmemacher und Schreiberlinge auch in satirischer Weise mit dem Thema und arbeiten sich bisweilen mit sarkastischem Humor regelrecht an den Römern ab. 

Man denke nur an die (Kult-) Komödie "Das Leben des Brian" der britischen Komikergruppe Monty Python aus dem Jahr 1979, wo eine revolutionäre Zelle in Judäa, die den Aufstand gegen die imperialistischen Römer plant und über deren Errungenschaften nach sinniert: "In Ordnung, aber was haben die Römer, abgesehen von den sanitären Einrichtungen, der Medizin, der Bildung, dem Wein, der öffentlichen Ordnung, der Bewässerung, den Straßen, dem Frischwassersystem und der öffentlichen Gesundheit, jemals für uns getan?"

Foto-Abbildung aus Asterixheft, Band 1

Asterix & Co begeistern seit mehr als 60 Jahren eine treu ergebene Leserschaft. Obgleich die Geschichten um den listigen Comic-Helden Asterix und seinem - im doppelten Sinne - dicken Freund Oberlix(O-Ton: "ich bin gar nicht dick") frei erfunden sind, kommen Kinder wie Erwachsene mit dem Römischen Reich in witziger Weise in Berührung. Die Abenteuergeschichten, bei denen die Römer spöttisch auf die Schippe genommen werden, sind alters- und generationsübergreifend bei Groß & Klein absoluter Kult. Autor René Goscinny († 5. November 1977) und Zeichner Albert Uderzo († 24. März 2020) haben sich mit den fiktiven Geschichten des unbeugsamen gallischen Dorfes (Gallien umfasste das heutige Frankreich, Belgien, Teile Westdeutschlands sowie ein nordwestliches Drittel der Schweiz und Norditalien) quasi unsterblich gemacht. Der Kultspruch „Die spinnen, die Römer!“, bei dem Obelix sein Unverständnis über die römischen Legionäre ausdrückt, fand sogar Eingang in den Umgangs-Sprachgebrauch.

Foto-Abbildung aus Asterixheft, Band 39

Wahrscheinlich würden sich heute wohl die Römer über die Nachfahren der Germanen nicht weniger wundern, wo diese ganz nach Römer Sitte Gewaltmärsche unternehmen, sich kleiden wie Legionäre, und theatralische (Kampf-) Szenen wie beispielsweise das beeindruckende Schauspiel der "Cohors IX Batavorum" im LIMESEUM/Römerpark in Ruffenhofen veranstalten."Ganz schön sonderbar diese Germanen:-)"

Mitten drin statt nur dabei dachte sich dieser Nachfahre der "Barbaren" und begeisteter "Römerfan" in Rom (Autor)