• Römertage Salve Abusina (Raetischer Limes, Bayern)
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  • Römertage Salve Abusina (Raetischer Limes, Bayern)
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  • Raetischer Limes (Weltkulturerbe) - Limeswachturm Hienheim
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  • Kastell Abusina (Raetischer Limes, Bayern)
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  • Römerfest Gunzenhausen (Burgstall)
    © TI Gunzenhausen
  • © TI Gunzenhausen
  • Römerfest Gunzenhausen (Burgstall)
    © TI Gunzenhausen
  • Marktplatz Kipfenberg
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  • Marktplatz Kipfenberg
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  • Kreuzungspunkt Deutscher Limes Radweg / Altmühltal-Radweg in Kipfenberg
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  • Altmühlsee (Gunzenhausen)
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  • Gunzenhausen
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  • Gunzenhausen
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  • Pulverturm (Gunzenhausen)
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  • Fernsicht auf den Hesselberg
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  • Pfofeld beim Brombachsee (LK Weißenburg-Gunzenhausen)
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  • Rastplatz beim Badegebäude Kastell "Iciniacum" in Theilenhofen
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  • Badegebäude im Kastell "Iciniacum" in Theilenhofen
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  • Kastell Ellingen (lat. Castellum Sablonetum)
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  • Bayerisches Limes Informationszentrum - Römermuseum (Weißenburg i.Bayern)
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  • Römermuseum Weißenburg i.Bayern
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  • Reiterkastell Weißenburg (Biriciana)
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  • Reiterkastell Weißenburg (Biriciana)
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  • Reiterkastell Weißenburg (Biriciana)
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  • Römische Thermen (Weißenburg i.Bayern)
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  • Stadtplatz Weißenburg i.Bayern
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  • St.-Martin-Kirche Oberhochstatt (OT Weißenburg i.Bayern)
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  • »Burgus Burgsalach« - Römisches Militärlager (LK Weißenburg-Gunzenhausen)
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  • Römerskulptur bei Burgsalach
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  • Infotafel am Limes Wachturm nahe Burgsalach
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  • Limes Wachturm nahe Burgsalach
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  • Pfahldorf bei Kipfenberg (LK Eichstätt, Oberbayern)
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  • Limes Wachturm nahe Kipfenberg
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  • Bergstraße zur Burg Kipfenberg
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  • Aussichtspunkt Kipfenberg
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  • Infopoint Limes - Burg Kipfenberg
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  • Infopoint Limes - Burg Kipfenberg - Geographischer Mittelpunkt Bayerns
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  • Infopoint Limes - Burg Kipfenberg
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  • Freundschaftsdenkmal - Gemeinde Denkendorf
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  • Raetischer Limes bei Altmannstein
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  • Raetischer Limes bei Altmannstein
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  • Raetischer Limes
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  • Gierseilfähre - Eining-Hienheim (Donau)
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  • Kastell Abusina (Eining, OT Neustadt a.d.Donau, LK KEH)
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  • Raetischer Limes - Kastell Abusina (Eining, LK KEH)
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  • Raetischer Limes - Kastell Abusina (Eining, LK KEH)
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  • Deutsche Limes Radweg - Kastell Abusina (Eining, LK KEH)
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  • Deutsche Limes Radweg - Kastell Abusina (Eining, LK KEH)
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  • Deutsche Limes Radweg - Bad-Gögging-Eining
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  • Deutsche Limes Radweg - Bad-Gögging
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  • Deutsche Limes Radweg - Burgsalach
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  • Deutsche Limes Radweg
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Das Römische Imperium

Das Römische Reich (lateinisch Imperium Romanum) existierte vom 8. Jahrhundert v. Chr. bis ins 7. Jahrhundert n.Chr., wobei über dessen Herrschaftsdauer unterschiedliche Zeitangaben kursieren. Wie lange das Imperium Romanum tatsächlich währte, hängt von der jeweilig definierten zeitlichen Abgrenzung ab. Betrachtet man das Jahr 753 v.Chr. als Gründunszeit Roms und das Jahr 1453 n.Chr. (Fall von Byzanz und Beginn des Mittelalters) als Ende des Imperiums ergibt sich eine Zeitspanne von 2.206 Jahren. Wird dagegen die Teilung des Römischen Reichs im Jahre 395 n.Chr. als Untergang begriffen, so bestand das Imperium Romanum 1.148 Jahre. Wie dem auch sei, zählt das Römische Reich neben dem antiken Ägypten, dem Chinesischen Kaiserreich und dem Osmanischen Reich jedenfalls zu den dauerhaftesten Herrschaftssystemen, was sie gleichwohl nicht von ihrem Untergang bewahrte.

Abbildung: das Schaubild (Standort Museum Quintana in Künzing, Landkeis Deggendorf/Niederbayern) zeigt die Umrisse des Römischen Reichs in seiner größten Ausdehnung zur Kaiserzeit Traijan um das Jahr 100 n.Chr.

Rom entwickelte sich von einer kleinen Siedlung am Tiber zur Hauptstadt eines großen Reiches, dem Imperium Romanum. Doch bis es soweit war mussten die Römer sich zunächst erfolgreich gegen ihre Nachbarn auf dem italienischen Festland durchsetzen, bevor ihnen Kriege und diplomatische Bündnisse Gebietseroberungen bescherten, die ihr Einflussgebiet über zahlreiche römische Provinzen ausdehnte. Das Goldene Zeitalter Roms lässt sich in der Epoche der Adoptivkaiser von Nerva (reg. 96–98 n.Chr.) bis Mark Aurel (reg. 161–180 n.Chr.) eingrenzen. Besonders Trajan (* 18. September 53; † 8. August 117 n.Chr.) unter dessen Führung das Römische Reich seine größte Ausdehnung erlangte, ging als bester Kaiser in die Geschichte ein. Das Territorium erstreckte sich durch seine massiven Eroberungs-Feldzüge von Persien im Osten bis England im Westen, und schloß zudem den gesamten Mittelmeerraum als Zentrum mit ein.

Bild: Kolosseum in Rom (antiker Name: Amphitheatrum Novum oder Amphitheatrum Flavium, italienisch: Colosseo, Anfiteatro Flavio), welches das größte jemals gebaute Amphitheater der Welt ist. Errichtet wurde es zwischen 72 und 80 n. Chr. Das Kolosseum diente als Austragungsort zumeist grausamer Veranstaltungen (z.B. Gladiatorenkämpfe auf Leben und Tot), die von Mitgliedern des Kaiserhauses zur Unterhaltung und Belustigung der freien Bewohner Roms und des römischen Reichs bei freiem Eintritt ausgerichtet wurden. 

Bild: Die Trajanssäule (italienisch Colonna Traiana, lateinisch Columna Traiana) wurde zu Ehren des römischen Kaisers Trajan, der von 98–117 n. Chr. herrschte auf dessen Forum in Rom 112/113 n. Chr. errichtet. Die monumentale Säule befindet sich noch heute an ihrer Ursprungsstelle und dominiert eindrucksvoll die Überreste des Trajansforums. Aufgestellt wurde sie im Namen des Römischen Senats, um die mit dem Forumsbau erbrachten Leistungen für Jedermann sichtbar zu würdigen. 

Bild: Heute ist die Ruine des monströsen Kolosseums eines der bedeutsamsten Wahrzeichen der Stadt Rom, das zugleich Zeugnis für die meisterliche und überschwängliche Baukunst der Römer in der Antike ablegt.

Auch Hadrian (* 24. Januar 76, † 10. Juli 138 n.Chr.) - der den Hadrianswall bauen bzw. das Pantheon fertigstellen ließ - trat als kaiserliche Lichtgestalt mit einer Vielzahl von Bauwerken die während seiner Herrschaftszeit errichtet wurden hervor. Unter anderem ließ er den bereits bestehenden obergermanischen Limes mit Gräben, Palisaden und Schutzwällen verstärken. Die Imperatoren Trajan und Hadrian führten das Weltreich zu seiner größten Blüte. Bezeichnenderweise waren es die Römer, die den Begriff „Imperium", so wie wir ihn heute kennen, erstmals verwendeten. Der Begriff leitet sich von dem lateinischen  Verb „imperare" ab, was so viel wie  „herrschen", „befehlen“ oder „gebieten“ bedeutet.

Erste römische Feldzüge nach Germanien

Die ersten römischen Feldzüge nach Germanien erfolgten noch vor Beginn der Jahreszählung mit Christi Geburt im Jahr Null (Zeitrechnung NACH Christi Geburt und Zeitrechnung VOR Christi Geburt). In den Jahren 58 bis 51 vor Christus eroberte Gaius Julius Caesar (* 13. Juli 100 v. Chr.; † 15. März 44 v. Chr.) Gallien, das aus dem heutigen Frankreich, Belgien, der Westschweiz und den größten Teilen des linksrheinischen Deutschlands bestand. Anfangs fungierte der Rhein praktischerweise als Flussgrenze zwischen den rechtsrheinischen Siedlungsgebieten germanischer Stämme sowie dem Imperium Romanum. Doch regelmäßig fielen germanische Stämme in die gallischen Provinzen ein und sorgten fortwährend für Aufruhr, worauf die römischen Herrscher mit einer klugen Doppelstrategie agierten. Demzufolge wurde neben der militärischen Unterwerfung mit politischen und diplomatischen Mitteln versucht Unruhen und Aufstände zu verhindern. Rom schmiedete strategische Allianzen und war so in der Lage, germanische Stämme gegeneinander auszuspielen. Zur Erfolgsstrategie gehörte auch, Germanen für die Dienste in römischen Legionen zu rekrutieren (Auxiliartruppen), um sie schrittweise zu romanisieren. Diese Hilfstruppen, die aus verbündeten Völkern bzw. freie oder stammeszugehörige Bewohner der Grenzprovinzen ohne römisches Bürgerrecht bestanden, verstärkten nicht nur die Einheiten der römischen Armee, sondern leisteten für die beabsichtigte Romanisierung der Bevölkerung einen wertvollen Dienst. Auserkorene Germanenoberhäupter wurden mit römischen Titeln geehrt, was zudem das Zugehörigkeitsgefühl und die Loyalität gegenüber den Machthabern stärkte und die Bereitschaft deren Lebensweise anzunehmen signifikant erhöhte.  

Varusschlacht im Teutoburger Wald

In der so genannten Varusschlacht im Teutoburger Wald, auch bekannt als Hermannsschlacht, rieben germanische Stämme unter der Führung des Cheruskerfürsten Arminius im Jahre 9 n.Chr. drei römische Legionen auf. Seitdem wird Arminius ("Hermann der Cherusker") als Retter Germaniens glorifiziert. Immerhin siegte er als Befehlshaber einer handvoll germanischer Stämme gegen eine zahlenmäßig weitaus überlegene - wohl 18.000 Mann starke - römische Armee. Die Schlacht gilt gewissermaßen als Geburtsstunde der deutschen Nation, die ihren Niederschlag in der Geschichte fand. Die Niederlage düpierte die sieggewohnten Legionen und saß den Machthabern des Römischen Reichs jahrzehntelang wie ein Stachel im Fleisch. 

Entstehungsgeschichte des Limes

Nach der verlorenen Varusschlacht zogen sich die römischen Truppen endgültig in die linksrheinischen Gebiete zurück, zumal die dichten Wälder bzw. das unwegsame Geläde östlich des Rheins ohnehin als uneinnehmbar galten. Nichtsdestotrotz sollten die eroberten Regionen wirksam gesichert werden, denn die blitzartigen Überfälle der germanischen Stämme - die den römischen Legionen zahlenmäßig unterlegen waren - verursachten fortwährend hohe Verluste. Daher ließ der römische Kaiser Domitian (* 24. Oktober 51; † 18. September 96 n.Chr.) in seinem Feldzug gegen den Stamm der Chatten (83 bis 85 n. Chr.) breite Waldschneisen schlagen, Barrikaden errichten und Patrouillenwege anlegen, um einfallenden Germanen das Eindringen zu erschweren bzw. ihnen gegebenenfalls den Rückzug abzuschneiden. Den Schutzvorkehrungen sollte alsbald mit dem Bau des Obergermanisch-Raetischen Limes ein noch viel gigantischeres Projekt folgen. Zug um Zug wurde die Grenzsicherung ausgebaut, die die römisch kontrollierten Provinzen klar von den Gebieten außerhalb des Imperium Romanum abgrenzte, wodurch der Herrschaftsbereich für jeden Menschen eindeutig sichtbar war. Das Befestigungssystem der römischen Besatzer verband schließlich den Rhein nördlich von Andernach mit der Donau in Eining etwa 50 km südwestlich von Regensburg. 

Unter dem römischen Kaiser Titus (79-81 n. Chr.) und Domitian (81-96 n. Chr.) überschritten die römischen Truppen die Donau und legten erstmals dauerhafte Kastelle an. In der Anfangsphase um 100 n.Chr. bestanden die Befestigungsanlagen in Obergermanien und Raetien lediglich aus geflochtenen Zäunen, an denen – im Abstand von einigen hundert Metern bis zu zwei Kilometern – Holzwachtürme errichtet wurden. Rund 30 Jahre später wurde der unvollkommen geschützte Grenzwall durch eine durchgehende Holzpalisade befestigt, während 40 Jahre später baufällige Holztürme durch stabilere Steintürme ersetzt wurden.

Abbildung: das Schaubild (Standort Museum Quintana in Künzing, Landkeis Deggendorf/Niederbayern) stellt den Verlauf des obergermanisch-raetischen Limes sowie die "nasse Grenze" des Donaulimes bis Passau dar.

In den Folgejahren wurde die Grenzlinie durch weitere Kastellanlagen samt des Limes geschützt. Der 160 n.Chr. errichtete Schutzwall stellte die nördliche Grenzlinie der römischen Provinzen Raetien und Obergermanien dar. In Bayern befindet sich die nördlichste Stelle des raetischen Limes am östlichen Stadtrand von Gunzenhausen im Burgstallwald, während der nördlichste Punkt des Donaulimes die Welterbestadt Regensburg markiert.

Gegen Ende des 2. Jahrhunderts wurden im obergermanischen Teil die Palisadenwände durch einen Wall mit vorgelagertem Graben verstärkt, wogegen im raetischen Abschnitt sogar Steinmauern errichtet wurden welche die Wachtürme miteinschlossen. In der Endausbaustufe gab es entlang der Grenzlinie insgesamt 900 Wachtürme, die jeweils von bis zu acht Mann besetzt waren. Die Besatzung der in Sichtweite befindlichen Türme hatte die Aufgabe, Einfälle der Germanen möglichst frühzeitig zu beobachten und mittels Rauchzeichen zu melden. Im unmittelbaren Hinterland der Grenze befanden sich im Abstand von mehreren Kilometern etwa 120 kleinere und größere Kastelle. Die dort beheimateten sogenannten Hilfssoldaten (Auxiliartruppen) von jeweils mehreren hundert Mann Stärke konnten bei akuter Gefahrenlage unverzüglich ausrücken. Im Falle größerer Angriffe wurden die Hilfstruppen von Einheiten aus den befestigten Legionslagern, Mainz, Straßburg und Regensburg unterstützt.

Rom - Nabel der Welt

Die Redewendung "Nabel der Welt" stammt von den Griechen (Mittelpunkt, wichtigstes Zentrum der Welt) und wird häufig für die außergewöhnliche Bedeutsamkeit von Rom verwendet. Beileiibe nicht übertrieben, denn keine andere Stadt dieser Welt stand von der Antike bis zur heutigen Zeit so sehr in enger Beziehung zu den unterschiedlichsten Regionen Europas wie Rom. Sei es als Macht- oder Kunstzentrum, als Ort herausragender Reliquien, als kreative Inspirationsquelle für Kultur, Kulinarik und Lebensweise (Kleidung, Badekultur etc.) oder Sitz des Papstes - die Stadt wirkte geistig-religiös, politisch-administrativ, künstlerisch, sprachlich und kulinarisch auf Europa unvorstellbar nachhaltig ein.

Bevor Rom sich von einer unbedeutenden Siedlung am Tiber zur Hauptstadt des Römischen Reiches - dem Imperium Romanum - entwickelte, bedurfte es etlicher militärischer Feldzüge - beginnend auf dem italienischen Festland. In der Folgezeit gelang es den Herrschern durch zahlreiche Kriege und Bündnisse ihr Einflussgebiet Zug um Zug zu vergrößern. Zum Zeitpunkt seiner größten Ausdehnung unter Kaiser Trajan (* 53 n.CHr.  † 8. August 117)  erstreckte sich das Römische Reich über Territorien auf drei Kontinente. Rund um das Mittelmeer - von Gallien, Mauretanien, Syrien und Ägypten weiter über Teile Germaniens und Britanniens bis zu den Gebieten rund um das Schwarze Meer beherrschte Rom eine Fläche von rund 3,4 Millionen Quadratkilometer, was die neuneinhalbfache Größe des heutigen Deutschlands entspricht.

Durch unbeirrbares Großmachtstreben breitete sich das Römische Reich zunehmend in Europa bis nach Nordafrika aus. Um die Gebiete unter römischer Verwaltung vom "finsteren" Barbarenland zu trennen bedurfte es Grenzbefestigungen, die sich bis ins heutige Schottland („Hadrian’s Wall“) bzw. nach Syrien („limes arabicus“) ausdehnten.

Nimmt man den römischen Geschichsschreiber Titus Livius (59 v.Chr. bis 17 n.Chr.) beim Wort, so fällt das Gründungsdatum von Rom auf den 21. April 753 v.Chr., wonach die größte Ausdehnung des Römischen Reichs unter Kaiser Trajan (57-113 n.Chr.) erfolgte, die den gesamten Mittelmeerraum umfasste. Deshalb nannten die Römer das Meer ganz bescheiden „mare nostrum“, was nicht weniger als „unser Meer“ bedeutete. Auch das Sprichwort: "alle Straßen führen nach Rom" vermittelt die unerschütterliche Weltanschauung, die Rom damals zugemessen wurde. Legt man das Jahr 1453 als Ende des Imperiums (geknüpft am Zerfall von Byzanz) fest, so existierte das Römische Reich sage und schreibe 2.206 Jahre.

Keine andere Stadt in der Welt stand von der Antike bis zur Gegenwart in so enger Beziehung zum heutigen Europa wie die "Ewige Stadt" mit ihrer drei Jahrtausend alten wechselvollen Geschichte. Ob geistig, religiös, politisch, künstlerisch oder kulinarisch - Rom übte als Machtzentrum auf Europa in den unterschiedlichsten Lebensbereichen kolossalen Einfluss aus. Es ist bezeichnend, dass lateinische Buchstaben, Bezeichnungen, Redewendungen oder Inhalte aus dem Rechts- und Staatwesen in vielen Ländern Europas bis heute erhalten blieben.

Alltagsleben der Römischen Besatzer

Auf der einen Seite mehr oder weniger kultivierte Römer - dort aggressive, raubende und plündernde Germanen  - ein Klischee, wie man sich das Verhältnis zwischen den beiden Völkern in den ersten Jahrhunderten nach Christus lange vorgestellt hat. Vieles erweckte in der alterstümlichen Anschauung den Anschein, als würden ausschließlich kriegerische Auseinandersetzungen den Alltag beherrschen. Dabei belegen niederländische Archäologen anhand jüngster Ausgrabungen, daß es sehr wohl auch ein friedliches Zusammenleben zwischen römischer und germanischer Kultur gab. Zu ähnlichen Ergebnissen führten auch Ausgrabungen in Belgien, wo ebensowenig Anzeichen auf Gewalttätigkeiten hindeuteten. 

Sieht man einmal von kriegerischen Handlungen mit germanischen Stämmen ab, so lebten vor etwa 1.800 Jahren die Familien der Soldaten, Händler und Handwerker entlang des Limes im Land und trieben mit den sogenannten "Barbaren" - wie die Germanen ehrfurchtvoll bezeichnet wurden - schwungvollen Handel - einschließlich Sklavenhandel (i.d.R. Kriegsgefangene). Der Alltag der Menschen in den Kastellen bzw. den zumeist umgebenden Siedlungen (Vicus) war überwiegend vom friedlichen Landleben geprägt, was Funde von Koch- und Tafelgeschirr, Spielsteine, Schmuck und Schreibgriffel etc. belegen. Wie andere Völker zu dieser Zeit auch, lebten die Römer überwiegend von der Landwirtschaft, d.h. sie hielten Vieh, bauten Obst und Gemüse an und bestellten redlich ihre Äcker. 

 Römische Gärten

Im Römerpark Ruffenhofen (Landkreis Ansbach, Mittelfranken) vermittelt ein (rekonstruierter) Römischer Garten samt Behausungsquerschnitt anschaulich, von welchen Lebensmitteln sich die Römer ernährten. Untermittelbar hinter schmalen, länglichen Häusern befand sich der Arbeitsbereich, wo Brennholz lagerte bzw. in Erdkellern Lebensmittel frisch aufbewahrt wurden. Tierhaltung (Hühner, Schafe, Schweine), ein Brunnen sowie ertragreiche Ernten aus angelegten Gärten sicherten das Selbstversorgerdasein. Neben dem Anbau von Gemüse verfeinerten Kräuter nicht nur das Essen, sondern sie wurden auch zu Heilzwecken verwendet  

Im Schutz des Obergermanisch-Rätischen Limes - der sogenannten Teufelsmauer - setzte ein Bevölkerungswachstum ein, weshalb das Handwerk einen ungeahnten Aufschwung nahm. Neben den Familien der Soldaten lebten Handwerker und Händler sowie Betreiber zahlreicher Schankwirtschaften in der Grenzregion, die allesamt von der Kaufkraft der Soldaten profitierten. Hatten die Germanen z.B. an Waffen, Schmuck und Töpferware Interesse so boten sie zum Tausch dafür Vieh, Felle, Honig, Wachs feil. Auch Bernstein - das "Gold Germaniens" - war unter den Römern äußerst begehrt. Kurzum: Das Verhältnis zwischen den Römern und Germanen war von vorteilhaftem Nutzen geprägt. Wichtig erscheint den Römern vor allem, die einheimische Führungsschicht in den eroberten Territorien für sich - genauer gesagt für die eigenen Zwecke zu gewinnen bzw. einzuspannen. Gesteigerte Lebensqualität zu denen Annehmlichkeiten der römischen Zivilisation wie Theatervorstellungen, fließend Wasser, Bäderkultur gehören, dürfte dem machtpolitischen Ansinnen bestimmt nicht im Weg gestanden haben - ganz im Gegenteil. Wasser war vor allem in den bevölkerungsreichen Städten eine zunehmend knapper werdende Ressource. Dem Problem begegneten die Römer mit dem Bau monströser Aquädukte und Wasserleitungen, die den Bewohnern einen nie gekannten Komfort bescherten. Technische Errungenschaften, die die althergebrachte Lebensweise der Germanen schlichtweg auf den Kopf stellte. 

Exkurs: Ein Paradebeispiel brillianter römischer Baukunst ist der "Pont du Gard", ein Monument, das Mitte des 1. Jahrhunderts errichtet wurde. Das 50 km lange Aquädukt gilt als Meisterwerk der Antike schlechthin, welches die damals 25.000 Einwohner zählende Stadt Nîmes (Nemausus) mit Wasser versorgte. Das Baudenkmal besteht aus drei übereinander liegenden Brücken mit einer Gesamthöhe von 50 Metern, dessen Wasserleitung den Fluss Gardon überquerte. Der "Pont du Gard" zählt zu den wichtigsten erhalten gebliebenen Brückenbauwerken der antiken römischen Welt und gilt heute zu den bedeutendsten Sehenswürdigkeiten Südfrankreichs. Für die Landvermessung verfügten die Römer über erstklassige Kartrographen, die vor fast 2000 Jahren bereits Diopter (Peilgerät zum Kartieren) und trigometrische Formeln zum Bau von Tunnels und Brücken einsetzten.

Als die Römer ihr Reich bis an den Rhein und die Donau ausdehnten, lernten die damals hier lebenden Kelten und Germanen zahlreiche Neuerungen kennen, wie den Bau von Fernstraßen, die mediterrane Küche, die Bezahlung und Entlohnung mit Geld, die Schrift, den Kalender und die Verwendung von Stein in Architektur und vieles andere mehr. Andererseits wussten die Römer nur sehr wenig über die "wilden" Germanen aus dem Norden und bezeichneten sie als "Barbaren" was darauf abzielte, dass sie weder eine griechische noch römische Kultur besaßen. Erstaunlich, dass sich die Germanen niemals selbst "Germanen" nannten. 

Für Regionen, die durch den Limes vom Römischen Reich abgetrennt waren, wurde der Grenzwall zu einer Kultur- und Wohlstandsbarriere. So entstand in den römischen Provinzen Germaniens im Laufe der Zeit eine moderne Infrastruktur, die in der enormen Verbesserung der Anbaumethoden, Bautechniken und hygienische Standards ihren Ausdruck fand. Insofern wurde der Alltag der germanischen Bevölkerung von den einströmenden Errungenschaften der römischen Zivilisation nachhaltig geprägt und verändert. Zudem brachte die Kaufkraft der an der Grenze stationierten Soldaten der ansässigen Bevölkerung einen bis dahin nicht gekannten Wohlstand ein. 

Umgekehrt konnte jenseits des Limes die germanische Bevölkerung von den vielfältigen Einflüssen der römischen Kultur kaum profitieren. Es bestand zwar ein Warenhandel mit den Römern, gleichwohl blieb die eigene Lebensweise unverändert, d.h. die modernen Errungenschaften wurden nicht übernommen. Sprache, Kultur und Traditionen blieben erhalten, doch der Lebensstandard blieb verglichen dem der römischen "Nachbarn" weit zurück. Somit förderte der Limes die Entwicklung einer wohlhabenderen Region diesseits und einer ärmeren Randregion jenseits des Grenze.

Interessant die Niederschriften des römischen Historikers Tacitus (um 55-115 n. Chr.) der sich in seinem Werk "Agricola" aus römischer Sicht durchaus selbstkrtisch äußerte: "Damit die verstreut wohnenden, rauen und deshalb leicht zum Krieg neigenden Menschen sich infolge zivilisatorischer Annehmlichkeiten an Ruhe und Muße gewöhnten, ermunterte man sie persönlich und bot ihnen öffentliche Unterstützung dafür an, dass sie Tempel, öffentliche Plätze und Steinhäuser errichten. Allmählich ergab man sich der Verweichlichung und den Verführungen der Zivilisation: Man baute Kolonnaden, errichtete Bäder und gab elegante Gastmähler. Die Unkundigen nannten dies kultivierte Lebensweise, während es doch Teil ihrer Knechtschaft war."

Die Funktion der römischen Militärgrenzen wird unter Wissenschaftlern und Experten seit geraumer Zeit heiß diskutiert. Entgegen früherer Annahmen war der Limes nicht als undurchdringliches Bollwerk angelegt, sondern lediglich als klare Abgrenzung zwischen der zivilisierten, römischen Welt und den Gebieten außerhalb des römischen Einflussbereiches gedacht, bei der der Personen- und Warenverkehr kontrolliert, Zölle erhoben und landwirtschaftlich fruchtbare Gebiete gesichert werden sollten. Demnach diente der Limes weniger als militärische Demarkationslinie sondern vorwiegend dazu, römische Wirtschaftsinteressen zu wahren und den Wohlstand in den besetzten Gebieten zu sichern. Im Prinzip eine überwachte Wirtschaftsgrenze gegenüber des nichtrömischen Raums, die einen friedlichen Grenzverkehr einschließlich beabsichtigter Zoll- und Steuereinnahmen erlaubte. Faktisch betrachtet war der Limes nicht geeignet militärische Angriffe abzuwehren, zumal die stationierten Truppen für eine effektive Verteidigung sowieso nur unvollkommen gerüstet waren. Vielmehr dehnte das römische Imperium durch eine geschickte Wirtschaftspolitik seinen Einflussbereich selbst jenseits der Grenze aus, was zahlreiche Grenzübergänge aufzeigen. Obwohl die Übergänge von römischen Soldaten überwacht waren fand reger Handel statt, was zahlreiche Funde belegen. Auch die Versuche, jenseits des Limes römische Legionäre anzusiedeln bzw. im reichsfremden Gebiet Auxiliarsoldaten anzuwerben, deuten auf eine Romanisierung der Bevölkerung auch über den Limes hinaus hin.  

Niedergang des Limes

Der Zusammenbruch des römischen Imperiums hatte vielerlei Ursachen. Als unmittelbarer Auslöser gilt die einsetzende Völkerwanderung: Einerseits drangen die Hunnen aus Asien nach Ostmitteleuropa ein, andererseits zogen dort ansässige Völker Richtung Westen und Süden und bedrängten ihrerseits wiederum das Römische Reich.

Es wird gemutmaßt, dass strukturelle Probleme, angebliche Dekadenz, religiöse und soziale Umbrüche, Bürgerkriege sowie der Druck durch Angreifer (Germanen, Hunnen, Perser) für die Entwicklung in der Spätantike verantwortlich zu machen sind. Fest steht, dass das Oströmische/Byzantinische Reich den Zusammenbruch des weströmischen Kaisertums überdauerte.

Auch wirtschaftliche Probleme der Städte sowie schwere Epidemien werden als mögliche Gründe angeführt, dass die Expansionspolitik aufgegeben wurde und der Rückzug sich auf eine lineare Grenzverteidigung beschränkte.

Abbildung: das Schaubild (Standort Museum Quintana in Künzing, Landkeis Deggendorf/Niederbayern) stellt die Völkerwanderungszeit um 400 Jahre n.Chr. dar.  

Die ökonomischen Unterschiede diesseits und jenseits des Limes weckten natürlich Begehrlichkeiten auf der unterentwickelten Seite des Grenzwalls. Anfang des 3. Jahrhunderts gab es vermehrte germanische Überfälle. Aus römischer Sicht war es dabei besonders fatal, dass manche germanische Krieger - gut ausgebildet vom römischen Heer - unerwartet abtünnig wurden und ihre eigenen (Macht-) Interessen durchzusetzen versuchten.  

233 nach Christus wurden große Teile der Legionärstruppen in den Donauprovinzen für einen Krieg gegen die Perser abgezogen. Germanische Kriegerbünde nutzten umgehend die Schwäche Roms und starteten ausgedehnte Plünderungszüge jenseits des Limes. In den Folgejahren konnten die germanischen Verbände zwar zurückgeschlagen werden, dennoch stagnierte der Wiederaufbau der zerstörten Gebiete.

Da ein Großteil der römischen Truppen an etlichen Krisenherden des riesigen Reiches gebunden waren, wurden demensprechend viele Grenzübergänge geschlossen, zerstörte bzw. baufällige Kastelle nicht wiederaufgebaut und Dörfer nicht wiederbesiedelt. Im Gleichklang durch die fehlende Kaufkraft der abkommandierten Soldaten begann der wirtschaftliche Niedergang der germanischen Provinzen. 

Machtpolitische Querelen und kurzfristige römische Herrscherwechsel verschärften die Krise in Germanien mitte des 3. Jahrhunderts. So wurden Truppen in römischen Bürgerkriegen aufgerieben bzw. angeworbene Söldnertruppen bereicherten sich durch Plünderungen. 

Germanische Völker drangen territorial tief nach Gallien, Spanien und Italien ein. Nur verlustreiche Gegenwehr vermochte die Invasion der germanischen Eindringlinge zurück zu schlagen. Derweil verkümmerte die Limesregion zum bedeutungslosen Niemandsland. Die ehemalige militärische Präsenz zur Sicherung der Grenzen war im Laufe der Zeit völlig verschwunden.

Im Jahre 274 nach Christus ließ der römische Kaiser Aurelian das Limesgebiet endgültig räumen und die Militärgrenze zum Rhein zurückverlegt. Überreste der Anlagen blieben zwar erhalten, doch die ehemalige Bedeutsamkeit der erschaffenen Bauwerke geriet Generation um Generation immer mehr in Vergessenheit.

Im Jahre 476 endet mit der Absetzung des letzten Kaisers Romulus Augustus, den seine Gegner "Augustulus" (Kaiserlein) nannten, das weströmische Reich. Der germanische Heerführer Odoaker wurde zum König von Italien ernannt und stellte das Land unter die Oberherrschaft des Kaisers von Ostrom.

Da sich der Übergang von der Spätantike zum europäischen Frühmittelalter vielerorts schleichend vollzog ist es schier unmöglich ein exaktes Datum für das Ende der Antike allgemeingültig festzulegen.

Römische Militärlager waren die Keimzelle für spätere Stadtgründungen

Nachdem Gaius Iulius Caesar mit seinen Truppen erstmals 55 v. Chr. über den Rhein setzte und ab 13/12 v. Chr. unter dem Feldherrn Drusus (Kaiser Augustus) mehrere Feldzüge nach Germanien erfolgten hielt die römische Herrschaft etwa fünfhundert Jahre an, bevor das Weströmische Reich im 5. Jahrhundert n. Chr. unter dem Angriffsdruck germanischer Stämme zusammenbrach. Allerdings scheiterten dreißig Jahre lang sämtliche Versuche, das rechtsrheinische Gebiet bis zur Elbe zur Römischen Provinz zu machen (Augusteische Germanenkriege). Nur der Westen und Süden des heutigen Deutschlands wurden demnach römisch kultiviert, was archäologische Funde wie Straßenführungen und spätere Städtegründungen belegen. 

Römerstädte gehen ursprünglich auf Militärlager oder römische Siedlungen zurück. Sie reihen sich südlich sowie westlich des Limes wie an einer Perlenschnur auf. Der Grenzwall markierte die Grenze zwischen den römisch kontrollierten Provinzen und den Gebieten außerhalb des Imperium Romanum, was einen Schutz vor einfallenden germanischen Stämmen bot. 

Wohlgemerkt hatten auch die Griechen, Phönizier und Etrusker schon zuvor große Siedlungen in eroberten Gebieten geschaffen, jedoch überwiegend nur entlang der Küstenlinie. Die Römer haben hingegen systematisch eine flächendeckende Verteilung ihrer Zivilisation in den Provinzen vorangetrieben. Insbesondere die Städte bzw. der rege Handel begünstigte die Weiterverbreitung der römischen Kultur über's Land. 

Römerstädte

  • Castra Regina → Regensburg (Legionslager mit angrenzender Zivilsiedlung)
  • Kastell Sorviodurum → Straubing
  • Augusta Vindelicorum →  Augsburg
  • Kastell Batavis → Passau

  • Argentorate → Straßburg

  • Mogontiacum → Mainz (Hauptstadt der Provinz Obergermaniens bzw. in der Spätantike Germania II)
  • Augusta Treverorum →  Trier (gegründet von Kaiser Augustus, älteste deutsche Stadt, wurde unter Kaiser Diokletian (*um 240, †313/316, Kaiser von 284 bis 305) zu einer der Hauptstädte des Römischen Reichs erhoben
  • Antunnacum →  Andernach
  • Bonna → Bonn
  • Novaesium → Neuss
  • Colonia Ulpia Traiana →  Xanten
  • Colonia Claudia Ara Agrippinensium → Köln (Hauptstadt der ehemaligen röm. Provinz Niedergermanien, in ihrer Blütezeit etwa 40000 Einwohner)

Beim Bau der Städte und Siedlungen gingen die Römer äußerst planmäßig, strukturiert und professionell vor. Charakteristisch ist der schachbrettartige Grundriss, wie ihn erstmals der Grieche Hippodamos von Milet 479 vor Christus in Griechenland eingeführt hat. Zu erkennen an deren rechteckiger Form und den Straßen, die im rechten Winkel zueinander angelegt wurden. Typisch sind zwei Hauptstraßen, die sich rechtwinklig kreuzen, woraus sich vier Viertel ergeben in deren Mitte (Zentrum) sich ein Platz – das Forum - befand. 

Bild: Porta Prätoria in Regensburg (Castra Regina). Die Donaustadt  war in antiker Zeit ein Legionslager mit einer angrenzenden Zivilsiedlung. In der Spätantike schrumpfte die Lagerbesatzung, sodass die Zivilbevölkerung hinter schützenden Mauern genügend Platz fand. Es entstand eine befestigte Siedlung, währrenddessen die ungeschützte Zivilsiedlung außerhalb den Toren der Stadt unterging. Somit ist das mittelalterliche Regensburg nicht aus der Zivilsiedlung sondern vielmehr aus dem Legionslager hervorgegangen.

Das Römische Imperium setzte zugunsten machtpolitischer Ziele auf vorteilhafte Zweckbündnisse mit reichsfremden Stämmen bzw. der germanischen Landbevölkerung, was Unruhen oder Aufständen vorbeugend entgegen wirkte. Damit wurde nicht nur das Widerstandspotential der Reichsfremden gemindert, sondern gleichzeitig stieg auch die militärische Durchschlagskraft sowie die zivile Präsenz der Römer. Eine geniale Taktik, das dem expansiven Großmachtbetreben in die Hände spielte. Friedvolles Miteinander im Zivilleben, reger Handel bis hin zum Einbürgerungsrecht als Römischer Bürger waren Mittel zum Zweck, um das riesige Römische Reich über Jahrhunderte abzusichern.

Tacitus beschreibt die Germanen zwar mit der damals vorherrschenden Überheblichkeit des kultivierten Römers, lobt sie aber gleichwohl für ihre Einfachheit, Ehrlichkeit, sittliche Lebensweise, Tapferkeit und Wertschätzung gegenüber der Familie. Allerdings unterstellt er den Germanen aber auch exzensiven Alkoholkonsum und Faulheit, verurteilt ihr einfaches Essen und zeichnet das Bild eines nachlässig gekleideten, wilden Volkes. Das Gebiet der germanischen Volksstämme wurde deshalb auch als "Babaricum" bezeichnet, weil sie diese für sozial und intellektuell schlichtweg für rückständige "Barbaren" hielten, wenngleich der berühmte Geschichtsschreiber demgegenüber auch eine gewisse Verachtung für die dekadente römische Lebensweise erkennen lässt.

Ungeachtet dessen war es den Germanen - die zumeist Bauern waren und kein Geld kannten - durchaus daran gelegen, am Wohlstand der Römer teilzuhaben und schon deswegen nicht daran interessiert, dessen Strukturen und Kultur zerstören zu wollen. Überdies steht fest, dass es die Germanen als einheitliches Volk nie gegeben hat. Es war eher so, dass sich viele Stämme ständig untereinander bekämpften, anstatt sich zu einer schlagkräftigen Einheit zusammenzuschließen und ihre territorialen Ansprüche gegen die Römer schlagkräftig durchzusetzen.

Germanien steht als Oberbegriff für die Stämme im Gebiet zwischen Rhein, Donau und Weichsel, die vor 2000 Jahren weder einen gemeinsamen Staat noch eine gemeinsame Identität bildeten, Bezeichnenderweise taucht der Begriff “Germanen” erstmals um 90 v. Chr. in einer römischen Geschichtsschreibung auf, der auf den römischen Feldherren Gaius Julius Caesar (* 13. Juli 100 v. Chr. in Rom; † 15. März 44 v. Chr.) zurückzuführen ist.

Auxiliartruppen und das Römische Bürgerrecht

Auxiliartruppen waren Einheiten der römischen Armee, rekrutiert aus verbündeten Völkern bzw. freie oder stammeszugehörige Bewohner der Grenzprovinzen die kein römisches Bürgerrecht besaßen. Die sogenannten Hilfstruppen (lat. auxiliari = helfen) ergänzten die Infanterie der Legionstruppen. Sie stellten laut Geschichtsschreiber und römischen Senator Tacitus (* um 58 n. Chr.; † um 120) etwa die Hälfte der regulären römischen Streitkräfte (rund 150.000 Soldaten). Deren Offiziere (meist abkommandierte Legionsoffiziere) stiegen bei Versetzung in eine Auxiliareinheit jeweils um eine Rangstufe höher auf.

(Hilfs-) Soldaten erhielten zwar weniger Sold als die Legionäre (römische Bürger) doch dafür stand das begehrte römische Bürgerrecht in Aussicht, das sie bei ehrenhafter Entlassung nach der regulären Dienstzeit von 25 Jahren zumeist zugesprochen bekamen welches auch für dessen Nachkommen galt.

Ab dem 4. Jahrhundert verschwinden die Auxilia weitgehend aus den Geschichtsquellen, da die reichsfremden Soldaten entweder Seite an Seite mit Römern in der regulären Armee dienten, wo die Tapfersten unter ihnen die Karriereleiter bis in höchste Offiziersränge aufrückten, oder durch einen gesonderten Bündnisvertrag (foedus) an Rom gebundene Söldner (foederati) unter eigenen Anführern befehligen durften.

Der römische Kaiser Marcus Aurelius Severus Antoninus - genannt Caracalla - der von 211–217 n.Chr. regierte - verlieh in der »Constitutio Antoniniana«  im Jahr 212 allen freien Untertanen des Imperiums das römische Bürgerrecht. Dabei spielte weniger soziales Engagement eine Rolle, sondern vielmehr führten finanzielle Beweggründe zu diesem einschneidenden Gesetz. Wie der Historiker und Zeitgenosse Cassius Dio berichtet: „In der Tat aber in der Absicht, um auch dadurch seine Einkünfte zu vermehren, weil die Nichtbürger viele dieser Abgaben nicht entrichtet hatten“. Die Maßnahme machte aus 30 Millionen Nichtrömern schlagartig römische Bürger, wodurch allein die Erbschaftssteuer sich verdoppelt haben soll. Insofern mag es wohl dem Zeitgeist geschuldet sein, dass das schriftliche Dokument in Form eines Papyrus 2017 in die Unesco-Liste aufgenommen wurde. Der  ansonsten unter Verschluss gehaltene Papyrus kann Donnerstag und Freitag jeweils von 10.00 bis 20.00 Uhr in einer klimatisierten Spezialvitrine in der Universitätsbibliothek Gießen besichtigt werden. Zur ganzen Wahrheit gehört aber auch, dass Caracalla einer der übelst beleumundeten Herrscher Roms war. Demnach ließ er allen Anschein nach neben seinem Bruder Tausende Würdenträger und andere Angehörige des Hofes und der höheren Gesellschaft hinrichten, von einfachen Untertanen ganz zu schweigen.

Anfänglich hatte die Forschung die »Constitutio Antoniniana« vermeintlich als Meilenstein gelungener Integration gefeiert. Dem war aber gar nicht so, denn mit der großzügigen Verteilung des römischen Bürgerrechts begann keineswegs eine Ära friedlicher, multikultureller Gleichheit. Dazu die britische Historikerin Mary Beard: „Sobald alle die Bürgerrechte besaßen, verloren sie ihre Bedeutung.“ Statt zwischen privilegierten Römern und Nichtrömern unterschied man bald zwischen „honestiores“ (Ehrbaren) und „humiliores“ (Geringeren), was sich auch in rechtlicher Ungleichheit niederschlug.„Sobald alle die Bürgerrechte besaßen, verloren sie ihre Bedeutung.“ Statt zwischen privilegierten Römern und Nichtrömern unterschied man bald zwischen „honestiores“ (Ehrbaren) und „humiliores“ (Geringeren), was sich auch in rechtlicher Ungleichheit niederschlug.

Noch strenger geht der Oldenburger Althistoriker Michael Sommer mit Caracallas revolutionärem Vorstoß ins Gericht, indem er nicht nur auf den Klassengegensatz zwischen „Ehrbaren“ und „Geringeren“ hinweist, sondern eine dramatische Auswirkung auf das Sozialgefüge des Imperiums anprangert: „Gerade weil die ,Constitutio Antoniniana‘ dem römischen Bürgerrecht jede Relevanz nahm, raubte sie dem Reich eine seiner wesentlichen Integrationsklammern.“ Das war die Aussicht für Nichtrömer, dass ihre Nachkommen dereinst römische Bürger werden konnten, wenn sie römische Gebräuche annahmen und sich loyal verhielten. „Indem sie das eigene Bürgerrecht entwertete“, so Sommer, „gab die Zentrale ohne Not symbolisches Kapital aus der Hand, dessen sie in den Wirrnissen des 3. Jahrhunderts bedurft hätte.“

Kulturgutverlust - Wiederaufleben der Römerzeit

Bedauerlicherweise ging viel Wissen über die Römerzeit im Mittelalter verloren. Grund waren in der Regel praktische Erwägungen wie die Kostbarkeit des (Bau-) Materials, Schriftumstellung, verändertes literarisches Interesse - möglicherweise auch religiöse Motive. Das Ausmaß verloren gegangener antiker Literatur ist beträchtlich, weshalb manche Forschungsergebnisse bzw. Thesen eher vage - sprich wissenschaftlich als nicht gesichert gelten. Hinzu kommt, dass Zeugnisse und Relikte aus der damaligen Epoche nach 2000 Jahren schlicht verschwunden sind, weil sie entweder unsichbar in der Erde ruhen oder irgendwann (in Städten) überbaut wurden. Erschwerend kommt das (systematische) Abtragen der Reste römischer Mauern und Bauwerke im Mittelalter (zur Errichtung neuer Bauwerke) hinzu, weil das Baumaterial hoch begehrt war und somit unwiderruflich wertvolle historische Bausubstanz zerstörte. So wurde in zahlreichen Kirchen Ziegel oder Weihesteine mit römischen Inschriften  wie beispielsweise in der Einhardsbasilika von Seligenstadt oder Tuffsteinquader der Mauer im Augsburger Dom verbaut. Auch die Bismarcksäule und der Pulverturm in Gunzenhausen wurden mit Steinen römischer Mauerreste errichtet.

Durch verschwundenes Kulturgut gingen wertvolle Daten für eine geschichtswissenschaftliche Auswertung verloren, die so viele Fragen nach dem Wie und Warum in Bezug auf die geschichtliche Entwicklung (politisch, wirtschaftlich, technologisch, sozial, kulturell, religiös oder sprachlich) hätten präziser beantwortet werden können, als dies derzeit der Fall ist.

Erst seit der Zeit des Humanismus im 16. Jahrhundert widmete man unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten römischen Relikten wieder mehr Aufmerksamkeit. Größere Begeisterungsschübe an der römischen Geschichte entfachten die im 19. Jahrhundert gegründeten Altertumsvereine. Insbesondere die 1892 durch den Historiker Theodor Mommsen gegründete Reichs-Limes-Kommission begann den Verlauf des Limes gründlich zu erforschen. Ab Ende des 20. Jhrd. begann nach aktuellem Wissensstand der rekonstruierte - möchglichst originalgetreue - Aufbau zahlreicher Kastelle, Wachtürme und Wallanlagen - was aber nicht bedeutet, dass die "neuzeitlichen" Bauwerke auch tatsächlich so ausgesehen haben müssen. Anhand fortlaufend neuer Forschungserkenntnisse unterliegt das Wissen über die antike Römerzeit bzw. die Lebensweise der Römer einem stetigen Wandel. 

Zu guter Letzt erkannte auch die UNESCO die Schutzwürdigkeit der Anlagen bzw. Bodendenkmäler und nahm den Obergermanisch-Raetischen Limes im Juli 2005 bzw. den Donaulimes am 30.07.2021 in die Liste des Weltkulturerbes auf. Mit einer Gesamtlänge von 550 Kilometern ist der römische Grenzwall - gesäumt von rund 100 Kastellen, Feldwachen und 900 Wachtürmen - das größte Bodendenkmal Deutschlands, welches im zweiten und dritten Jahrhundert nach Christus das Römische Reich von Germanien trennte. Der Grenzwall verteilt sich auf heutige Bundesländer wie folgt:

  • Rheinland-Pfalz: 75 Kilometer
  • Hessen: 152 Kilometer

  • Baden-Württemberg: 164 Kilometer

  • Bayern: 158 Kilometer

Das Erbe wegweisender Errungenschaften der Menschheit

Der einschneidende Einfluss der Römer ist in unterschiedlichsten Bereichen auch heute noch allgegenwärtig. Ohne uns dessen bewusst zu sein, begegnen wir den Spuren der römischen Kultur z.B. in der Kirche, der Medizin, dem Rechtswesen, der Architektur, der Sprache und Literatur, in Gesetzen und Verwaltung, im Sport, in der Kunst und Technik. Selbst das Alphabet stammt von gebildeten Gelehrten aus Rom, das sich im Lauf der Zeit auf's gesamte Abendland verbreitete. Ebenso der julianische Kalender, gebundene Bücher, Fußbodenheizungen u.v.m. haben wir den Römern zu verdanken. 

Nach heutigem Wissensstand bleibt festzuhalten, dass die Lebensweise bzw. Lebensqualität vor allem in den Städten (Hygiene, Wasserversorgung und Sicherheit) in Europa erst in der Neuzeit, d.h. etwa 1.500 Jahre nach dem Niedergang des Römischen Reiches wiedererlangt wurde, sodass man in der Tat von einem damaligen »Goldenen Zeitalter« sprechen kann.

Latein wurde im gesamten Reich zur Amtssprache. Ein Erbe, das auch nach dem Untergang des Imperium Romanum bis heute fortwirkt. So war in ganz West- und Mitteleuropa Latein bis in die Zeit des Barocks die geläufige Sprache der gebildeten Gesellschaftsschicht. Aus dem Lateinischen entstanden später die romanischen Sprachen, unter anderem Französisch, Italienisch, Spanisch, Portugiesisch und Rumänisch. Zudem finden sich viele lateinische Lehnwörter in den germanischen und den slawischen Sprachen. In der römisch-katholischen Kirche ist Latein bis heute Amtssprache, wogegen auch in Wissenschaften wie Biologie und Medizin zahlreiche lateinische Fachausdrücke in der Gegenwart Anwendung finden. 

Das Rechts- und Staatswesen Europas, insbesondere das Zivilrecht, ist maßgeblich vom römischen Recht geprägt. Das Rechtswesen im antiken Rom beinhaltete elementare zivil- und strafrechtliche Verfahrensvorschriften in der Rechtsordnung, die vom Grundsatz her in die modernen Rechtsnormen eingeflossen sind.