Historie

Am 22.08.1982 erfolgte der Urknall des Ötztaler Radmarathons. 115 unerschrockene Haudegen wagten sich an das Abenteuer mit ungewissem Ausgang und umkurvten das Hochgebirgsrondell entgegen des Uhrzeigersinns mit Start- und Ziel in Innsbruck. Die Idee des Initiators Heli Meier - Urvater des Ötztalers und unter seinen Freunden selbst als wilder Hund verschrien - war eine klare Angelegenheit. Das knackige Streckenprofil sollte  „Weicheier“ einschüchtern, um sie von einer Teilnahme fern zu halten. Nichts desto trotz wussten die Finisher des 1. Internationalen Ötztal-Radmarthons schon damals ihren Erfolg standesgemäß zu feiern. Bierkrüge krachten zum Prosit aufeinander, begleitet von dem herzerfrischenden Urschrei “Rennsau Heil!” Dass die Messlatte trotz verbessertem Material, ausgeklügelter Trainingsmethodik bzw. Leistungsdiagnostik auch nach 35 Jahren für gängige Breitensportverhältnisse außerordentlich hoch liegt, dürfen Hartgesottene im Selbsterfahrungsprozess bis heute schmerzhaft nachempfinden. 

Seit 1999 begleiten gefühlsbetonte Mottos in drei Sprachen die leidensfähigen Radsportler: <ICH HABE EINEN TRAUM...>, <HO UN SOGNO...>, <I HAVE A DREAM...>. Seitdem die Veranstaltung im Jahr 2000 in die Super-Prestigio-Rennserie aufgenommen wurde, stieg der italiensche Fahreranteil rasant.

Als das Organisationskomitee des ÖTZTAL TOURISMUS und der ortsansässige Radclub URC Ötztal Ende 2001 die Namensrechte des Ötztal – Radmarathons erwarben und die Traditionsveranstaltung endgültig ihre Heimat in Sölden fand, nahm die Erfolgsgeschichte Fahrt auf. Zur Freude der Radsportler stieg nicht nur die Professionalität der Veranstaltung, sondern auch das Identifikationsgefühl aller Beteiligten. Bewundernswert, mit welchem Fleiß und Engagement die über 800 ehrenamtlichen Helfer im Verbund mit Feuerwehr, Ärzte, Radclubs, Tourismusverband, Bergbahnen und Hotellerie an einem Strang ziehen. Nur deshalb konnte sich die Veranstaltung zu dem entwickeln was sie heute ist: die prestigeträchtigste Radsportveranstaltung Europas.

Der Ötztal-Radmarathon reiht sich in Sachen Internationalität, Tradition, Professionalität und Popularität in die Champions League beliebter Radtouristik-Klassiker wie dem Maratona dles Dolomites (I), Nove Colli (I) Alpenbrevet (CH) und Endura-Alpentraum ein.  

Sicherheit

Sicherheit ist oberstes Prinzip. Streckensperrung, Rettungsfahrzeuge, Service- Besenwagen, Notärzte, Streckenposten, Warnhinweise und Streckensicherung durch Feuerwehr- und Polizei gewährleisten größtmögliche Sicherheit.

Insbesondere die grenzüberschreitende Streckensperrung erfordert in Österreich und Italien ein aufwendiges, kostspieliges Genehmigungsverfahren. In einem ausgeklügelten Zeitrahmen werden Streckenabschnitte Zug um Zug gesperrt. Dennoch gilt auf der Gesamtstrecke generell die Straßenverkehrsordnung (StVO)! ACHTUNG: Die befahrenen Straßen nicht vollständig und nicht für die Dauer der gesamten Veranstaltung für den Straßenverkehr gesperrt sind. Es gilt hier die jeweils anwendbare Straßenverkehrsordnung! Es muss jederzeit mit überholendem, querendem oder entgegenkommendem Verkehr bzw. Einsatzfahrzeugen gerechnet werden. Trotz Verkehrssperrung ist mit Gegenverkehr zu rechnen, d.h. unübersichtliches Kurvenschneiden ist und bleibt lebensgefährlich! Zulliebe der Unfallprävention appelliert der Veranstalter an eine umsichtige, faire und rücksichtsvolle Fahrweise.

Eine nicht zu unterschätztende Gefahr geht von Weidetieren wie Kühe, Pferde, Schafe, Ziegen, freilaufende Hunde oder Wildtiere aus (vorwiegend Kühtai/Timmelsjoch).

Oliver Schwarz, Geschäftsführer des Ötztal Tourismus gab bei einem Pressemeeting zu Protokoll: "Zum Glück gibt es uns nun schon seit 1983. Ein Rennen wie den Ötztaler bekommen Sie heute niemals mehr genehmigt!" 

Notruf in Tirol: 144, in Südtirol 118!

Service

Die Ausgabe des Startpaketes erfolgt in der Tennishalle der Freizeit Arena Sölden. Die Startplatz-Bestätigung ist mitzubringen. Die Teilnahmebedingungen sind zum Zeichen der Kenntnisnahme zu unterschreiben. Startnummerausgabe erfolgt nur gegen Vorlage eines Lichtbildausweises.

Hinterlegungs-Service: für die vier Verpflegungsstationen gibt es Taschen in der jeweiligen Farbe der Abgabestelle. Diese müssen mit Startnummer (wasserfester Stift) beschriftet sein. Neben Bekleidung sind auch Lebensmittel erlaubt. Trinkflaschen dürfen Pulver aber keine Flüssigkeiten enthalten. 

Die Ausgabe der Startpakete findet zu nachstehenden Zeiten in der Freizeit Arena in Sölden (Gemeindestraße 4, 6450 Sölden) statt:

  • Freitag, 30.08.2019  von 10.00 bis 20.00 Uhr
  • Samstag, 31.08.2019 von 09.00 bis 20.00 Uhr 

Startblöcke

Gruppe 1A: Prominente Gäste des Veranstalters - maximal 20 Personen

Gruppe 1B: Alle Teilnehmer, die sich für die Gruppe 1 qualifizieren: Das sind all jene Teilnehmer, welche den Ötztaler Radmarathon innerhalb der letzten 4 Jahren zumindest einmal in weniger als 8:20 Stunden bei den Herren und weniger als 9:20 Stunden bei den Damen absolviert haben. Diese Teilnehmer sind verpflichtet, aus diesem 1. Startblock zu starten.

Gruppe 1C: Bestimmte Starter aus dem Teilnehmerkontingent des Veranstalters.

ACHTUNG! Die Zufahrt zu den Startblöcken 1A; 1B; 1C ist nur bis 06:30 Uhr möglich.

Gruppe 2: Alle Teilnehmer, die nicht aus den Startblöcken 1A, 1B oder 1C starten.

Teilnehmer, die nicht aus dem für sie vorgesehenen Startblock starten, können disqualifiziert werden. 

Der Startblock 1 (Gruppe 1A, 1B und 1C) wird um 06:45 Uhr gestartet. Alle Teilnehmer dieses Startblocks erhalten dieselbe Startzeit: 6:45 Uhr. Alle anderen Teilnehmer starten nach dem Real Timing System. Das heißt, dass die Zeit erst ab dem Überqueren der Startlinie läuft.

Auf der Strecke sind acht weitere Zeitnehmungspunkte fixiert, welche von jedem Teilnehmer passiert werden müssen. Fehlt eine Messung, so wird der Teilnehmer disqualifiziert. Jeder Teilnehmer hat selbst dafür Sorge zu tragen, dass er die Zeitnehmungslinien korrekt passiert und dies auch selbst zu kontrollieren.

Wertungsklassen

  • Allgemeine Klasse bis 35 Jahre bis 1984
  • Master Klasse 1 bis 50 Jahre bis 1969
  • Master Klasse 2 bis 60 Jahre bis 1959
  • Master Klasse 3 über 60 Jahre ab 1958 

Kontrollzeiten

  • Brennerpass 12.34 Uhr
  • Jaufenpass 14.40 Uhr
  • St. Leonhard 15.15 Uhr
  • Moos 16.00 Uhr
  • Schönau 18.00 Uhr
  • Timmelsjoch 19.30 Uhr

Besenwagen

Jene Teilnehmer, die auf der Strecke aus irgendeinem Grund aufgeben, sollen direkt auf der Strecke bleiben. Nur dort können sie von einem der zahlreichen Busse, den sogenannten „Besenbussen“ eingesammelt werden. Der Veranstalter veröffentlicht am Freitag, 30.08.2019 auf den verschiedenen Infotafeln auch fixe Standorte, wo die Besenautos „gescheiterte“ Radfahrer einsammeln. Es sind dies Gasthäuser und Tankstellen entlang der Strecke, wo man bequem auf den Besenwagen warten kann. Für eventuelle Beschädigungen an den Rädern in den Besenbussen, während des Rennens, an Labe Stationen und im Bikepark, übernimmt der Veranstalter keine Haftung. Es wird auf die Anmelde- und Teilnahmebedingungen verwiesen. Fahrräder und Personen werden in verschiedenen Fahrzeugen nach Sölden zurückgebracht.

Die Fahrräder werden in den Bikepark gebracht. Dieser befindet sich in der Nähe des Zielgeländes - beim Musikpavillon. Das Rad wird gegen Vorlage der Startnummer ausgehändigt. Die Öffnungszeiten des Bikeparks werden ab Freitag an den Infotafeln bekanntgegeben.

Alle Räder müssen am Sonntag, 01.09.2019 bis 21:00 Uhr abgeholt werden. Eine spätere Abholung ist nur noch gegen eine Pönale von € 15,- möglich. Der Abholungsort der Räder wird nach Schließung des Bikeparks um 21:00 Uhr auf den Infotafeln verlautbart.

 

Gegen widerrechtliche Startplatzverkäufe über diverse Onlineplattformen wie z.B. Ebay geht der Veranstalter rigoros vor. Dazu Geschäftsführer: Mag. Oliver Schwarz: "Der Verkauf oder die Versteigerung eines Startplatzes - ob über Internetplattformen wie Ebay oder auf sonstigem Wege - ist verboten. Jedem Verkaufsangebot wird nachgegangen und sowohl Käufer als auch Verkäufer wird eine Teilnahme am Ötztaler Radmarathon auf Lebenszeit untersagt."

  Abfälle und Verunreinigungen

Ötztal Tourismus Geschäftsführer, Mag. Oliver Schwarz - zweimaliger Ötztal-Radmarathon-Finisher - appelliert eindringlich an die Teilnehmer: "Stoppt die Verschmutzung! Die Veranstaltung ist sonst in Gefahr. Eine Hundertschaft an Feuerwehrleuten und anderen Helfern sind notwendig, um die Straßen noch am Sonntag zu säubern und dem Straßenhalter in einem Zustand zurückzugeben, wie wir sie vor der Totalsperre übernommen haben." Verboten ist, außerhalb markierter Zonen Abfälle wegzuwerfen. Dafür stehen z.B. an Labestationen Wegwerfboxen bereit. Besonders Gelverpackungen stellen ein ernsthaftes Problem dar. Obwohl der Veranstalter die Straßen penibel zu säubern versucht, können Winde den Müll in angrenzende Wiesen, Felder und Wälder - und damit für die Saubermänner unerreichbar - verstreuen. Achtlose Müllentsorgung belastet die Natur, schadet dem Image des Radsports und gefährdet die Durchführung des Radmarathons. Umweltfrevel ist kein Kavaliersdelikt, weshalb Verstösse rigoros mit Disqualifikation geahndet werden. 

Auszug aus dem Reglement: 

Es ist verboten, außerhalb der markierten Zonen (1 km nach den Verpflegungsstationen) bei den Verpflegungsstationen Abfälle (zB Gelpackungen) wegzuwerfen. Es stehen an den Verpflegungsstationen ausreichend Müllbehälter zur Verfügung. Das unzulässige Wegwerfen von Abfällen gefährdet die weitere Durchführung des Ötztaler Radmarathons und zieht eine Disqualifikation und unter Umständen auch eine Sperre des jeweiligen Fahrers nach sich. Es werden hier verstärkte Kontrollen (ua mittels Helmkameras der Motorradfahrer) durchgeführt.

Es werden entlang der Wegwerfzonen große Müllbehälter aufgestellt. Bitte wirf deinen Müll in diese Behälter. Danke! Das Ende der 1 km langen Wegwerfzonen ist durch Mülleimer deutlich gekennzeichnet.

Wände und Mauern wie zB am Timmelsjoch dürfen auf keinen Fall bemalt werden! Bitte befolgt diese Anweisung strikt. Bei Zuwiderhandlung droht die Disqualifikation und die Kosten für die Entfernung werden in Rechnung gestellt. 

Der kausale Zusammenhang zwischen Quälfaktor und Triumphgefühl im Zielfinish ist wissenschaftlich belegt, d.h. umso härter die Leiden, desto überschäumender das Glücksgefühl im Ziel. Für Finisher quasi eine neuronal nachhaltig wirkende "Pay-back-karte". Daraus speist sich auch der bedingungslose Durchhaltewille, denn Aufgeben ist beim Ötztaler nur die allerletzte Option wenn es wirklich nicht mehr weiter geht. Wie heißt es so schön: der Schmerz vergeht - die Erinnerung bleibt.

  Das Buch zum Ötztaler 

Das Buch vom Urknall des Ötztalers erzählt 22 spannende Jahresgeschichten, angereichert mit statistischen Infos, Trainingstips, Streckenprofilen, packenden Szeneaufnahmen. Alles in allem erhält der Leser sowohl einen informativen wie emotionalen Einblick in sämtliche Facetten dieser Kultveranstaltung. Preis EUR 39.00 zzgl. Versand / Porto EUR 6.00 (Schweiz: zzgl. Versand / Porto EUR 14.00). Bestellung lorenzi@soelden.at

Schlüssel zum Erfolg

Die Gratwanderung einer ökonomischen Fahrweise, deren Belastungsintensität permanent unterhalb der Schwellenleistung (FTP-Wert) bleibt ist im hektischen Renngeschehen sicherlich nicht immer ganz einfach einzuhalten. Zumal Über-Motivation der Vernunft gern ein Schnippchen schlägt. Die Erfahrung lehrt jedenfalls für den anspruchsvollsten Marathon der Alpen, limitierte Kräfte überlegt und wohldosiert einzuteilen. Anaerobe Spitzen, die leistungshemmendes Laktat produzieren zahlen sich in aller Regel nicht aus. Schon gar nicht beim Ötztaler mit seinen "Monsteranstiegen". Wer seine Energie vorschnell verpulvert, wird den bleiernen Laktat-Hemmschuh schwerlich los und verglüht womöglich am schicksalsträchtigen Timmelsjoch als "Sternschnuppe". Nicht selten endet dort körperliche Verausgabung als Rohrkrepierer. Vor allem Debütanten sind gut beraten, lieber einen Zacken rauszunehmen und sicherheitshalber nach dem "Dabei sein ist alles Prinzip" auf "Ankommen" zu fahren. Ex- oder hopp: wird das Rennen zu schnell angegangen der riskiert einen überproportionalen Leistungsabfall der letzten Endes enorm viel Zeit kosten kann. Für wettkampferprobte Athleten mit entsprechender Laktattoleranz ist es dagegen weitaus weniger problematisch in den roten Bereich zu gehen, weil sie ihre Körperreaktionen besser einschätzen bzw. sich von Spitzenbelastungen rascher erholen. Letztlich kommt es darauf an, seine Fahrweise der aktuellen Befindlichkeit anzupassen. Wer mit gesunder Selbsteinschätzung (Regieanweisung) auf seinen inneren Kompass - sprich Körpergefühl - hört, bewegt sich auf relativ "sicherem" Boden. Werden hingegen seine Fähigkeiten überschätzt, den knockt womöglich zu späterer Stunde das ultraschwere Streckenprofil aus. Schon manchen Hasardeur brachte der Scharfrichter »Timmelsjoch« aus dem Tritt und zeigte ihm die rote Karte.

Ein Hungerast oder Dehydration kann sich bei einem der anspruchsvollsten Radmarathons entweder als böses "KO-Kriterium" erweisen oder einem zumindest die anvisierte Finisherzeit gründlich verhageln. Wem bei diesem Kaliber von Radrennen das fatale Missgeschick eines Energie- bzw. Flüssigkeitsmangels unterläuft, für den kann das Finish in weite Ferne rücken und der Traum wie eine Seifenblase zerplatzen.

Streckenanalyse

Der Ötztaler gilt in Anbetracht der extremen Herausforderung gemeinhin als masochistisches Highlight. Der Rundkurs führt im Uhrzeigersinn von Sölden (1 377 m) über das Kühtai (1 200 hm auf 2 020 m.ü.M.), den Brenner (777 hm auf 1 377 m.ü.M.), Jaufenpass (1 130 hm auf 2 090 m.ü.M.) und Timmelsjoch (1 759 hm auf 2 509 m.ü.M.). Je länger die Ausdauerschlacht andauert, desto gnadenloser wird der Überwindungskampf gegen den inneren Schweinehund. Vor allem in der sauerstoffarmen Höhenluft, wo das Blut dicker und die Atmung durch verminderten Luftdruck schneller wird spielt die mentale Power das Zünglein an der Waage. 

Der ausgeprägte Rennsportcharakter, gepaart mit dem extrem anspruchsvollen Streckenprofil zieht top trainierte Ausdauersportler an. Eine derart geballte Leistungsperformance ist für ein Event im Hobby- bzw. Amateurbereich ein Ausnahmefall. Gerade deshalb genießt ein Finish bzw. gute Platzierung einen unvergleichbaren Stellenwert. Schließlich tummeln sich hier reihenweise rennerfahrene Ex- und Semi-Profis, lizensierte Radsport-Amateure, Jedermänner und ambitionierte Hobby-Athleten. Geschenke werden hier jedenfalls keine vergeben. Der gefürchtete Ruf des Ötztalers ist gleichsam Image und Mythos. Andererseits liegt genau darin der Reiz, was Rennradpiloten aus aller Welt elektrisiert. Mastermind Ernst Lorenzi bringt es süffisant auf den Punkt: „Der Ötztaler ist unter allen Radmarathons wahrscheinlich die beste Wahl zur Qual".

Jedes Jahr gehen am "Schicksalsberg" Timmelsjoch Träume in Schall und Rauch auf. Was den kräftezehrenden Alpenpass wirklich so schwierig macht ist nicht einzig der Niveauunterschied von 1 759 hm mit dem Steigungsmittel von 7.8% sondern vielmehr der Umstand, weil die harte Nuss zum Schluss kommt. Nicht ohne Grund strecken etwa 50 % aller Nichtklassierten im Schnitt am Timmel die „Flügel“. Trifft man abgekämpft und erschöpft bzw. psychisch angeschlagen auf den Berg-Giganten hat man es mit einer brachialen Hebelwirkung zu tun. Unzureichende Form, taktische Fehler oder mangelnde Energiezufuhr werden auf diesem Schlüsselabschnitt gnadenlos demaskiert. Kehre um Kehre lauert der Mann mit dem Hammer. 

Der verschleißende Energieverbrauch geht irgendwann so ziemlich jedem Fahrer irgendwann an die Substanz. Entkräftung, Dehydrierung, Wadenmuskulatur- und Magenkrämpfe etc. können schlechterdings das bittere Aus bedeuten. Wer alles auf eine Karte setzt und sich für "unverwundbar" hält, der kann sich selbst am "mickrigen" Gegenstieg zur Mautstelle (130 hm) noch klassisch abschießen. Tragisch, wenn das Zepter kurz vor dem Ziel leichtfertig aus der Hand gegeben wird. Leichtsinnsfehler bestraft der Ötztaler ungleich härter als dies bei anderen Radmarathons der Fall ist.

Für wen der Ötztaler das Saisonhiglight ist sollte in der Saison-Vorbereitung seinen Form-Peak zeitlich darauf zuspitzen.

Die "alten Hasen" wissen haargenau, dass Sterzing der eigentliche Beginn des Rennens ist. Bis zu diesem Punkt könnte man alles bisherige als "spielerisches Vorgeplänkel" bezeichnen. 

Wird am Fuße des Jaufenpasses Nahe der Südtiroler Bezirkshauptstadt Sterzing (KM 146 km) zwischenbilanziert wird deutlich: es wurden zwar 61% der Gesamtstrecke aber erst 37.5 % (2 000 hm) der Gesamthöhenmeter bewältigt. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass sich auf der restlichen Distanz bis ins Ziel knapp 2/3 der gesamten Höhenmeter verbergen. Bis zum 80 km entfernten finalen Anstieg an der Mautstelle stehen via Jaufen und Timmelsjoch weitere 3 500 hm an. Ein Knackpunkt, der den Ötztaler unvergleichlich selektiv macht und ihn signifikant von anderen Radmarathons dieser Welt unterscheidet. Dies erklärt auch, warum taktische Fehler, wie zu hohes Anfangstempo oder suboptimale Flüssigkeits- und Nährstoffzufuhr sich fatal rächen.

Endgegner Timmelsjoch - Casus knacksus des Ötztalers

Der Spruch - Höhenmeter sind nicht gleich Höhenmeter dürfte ziemlich jedem Radsportler geläufig sein. Demnach ergeben Steigungslänge, Durchschnittssteigung, Maximalsteigung, Profilierung und Höhenunterschied den Schwierigkeitsgrad eines Passes. Daher geben reine Höhenmeterangaben auf den ersten Blick nur unvollkommen die Wahrheit wider. Bezogen auf die Gesamtstrecke eines Radmarathons ist ein weiterer Gesichtspunkt der, wie sich das Höhenprofil insgesamt zusammen setzt. Abgesehen von drei Klimazonen und dem monströsen Höhenunterschied birgt das Timmelsjoch gerade wegen seiner Lage im Streckenverlauf sozusagen den Casus knacksus  des Ötztal-Radmarathons. Besonders das unproportionale Verhältnis von Distanz und Höhenmeter (im Verhältnis zur Gesamtstrecke) fällt ins Gewicht, was dem Timmelsjoch im Rahmen des Ötztalers eine Sonderstellung gibt. Der kraftraubende Anstieg erwartet die Fahrer ausgerechnet im Schlussdrittel zu einer Zeit, wo so gut wie jeder Fahrer relativ mürbe ist. Dies ist das wohl signifikanteste Unterscheidungsmerkmal zu anderen Radmarathons in der Alpenregion. Ein Alleinstellungsmerkmal, das dem Ötztaler die Krone aufsetzt und für das die Italiener einen Namen dafür haben: „il mostro“ – das Monster. Am Timmelsjoch kann man viele Plätze gut machen, aber auch nach hinten durchgereicht werden. Dazu kämpfen Nachzügler zusätzlich mit den Zeitlimits, was den Psychodruck unsäglich erhöht. 

Das Motto "alles oder nichts" - welcher einer Luftakrobatik ohne Netz und doppelten Boden gleicht - ist beim Ötztaler die denkbar ungeeigneste Strategie. Schlägt man im Passeiertal angeschlagen auf wird einem am Timmelsjoch Kehre um Kehre der Zahn gezogen.

Leidgeprüfte fühlen sich als Spielball der Naturgewalten bis selbst unerschütterlicher Wille am seidenen Faden hängt. Dementsprechend scheitern im Schlussabschnitt die meisten „Nichtklassierten“. 

In der Ruhe liegt die Kraft...

Die meisten Teilnehmer haben ein klar definiertes Ziel vor Augen. Die einen hoffen, unter 8, 9, 10...Stunden zu bleiben, andere versuchen ihre eigene (Best-) Zeit zu knacken, wieder andere wollen unter die ersten 100, 1000, 2000...kommen, während für Rookies das bloße Durchkommen zählt. Abgesehen von der Tagesform und Rennverlauf beeinflußt das Wetter maßgeblich das Geschehen. Spielt Petrus nicht mit, können persönliche Zielvorgaben schnell zur Makulatur werden.

Einen Marathon fährt man i.d.R. unterhalb der funktionellen Schwellenleistung (jene Leistung, die über Stunden aufrechterhalten werden kann) wobei eine gleichmäßige Kraftentfaltung die halbe Miete ist. Höhere Intensitäten die den anaeroben Schwellenbereich überschreiten wollen gut überlegt sein und machen eigentlich nur dann Sinn wenn sich Vorteile daraus ergeben für - sprich sich Tempoverschärfungen unter dem Strich auszahlen. Aber Vorsicht: gerade beim Ötztaler ist dies ein verdammt schmaler Grat.

 FTP-Wert

Geht es um die Bewertung der Leistungsfähigkeit eines Athleten so zählt der FTP-Wert mit zu den wichtigsten Leistungswerten überhaupt. Schon allein deshalb, wei er die Basis zur Berechnung optimaler Trainingsbereiche etc. dient. FTP steht für „Functional Threshold Power“ was übersetzt soviel wie „funktionelle Leistungsschwelle“ bedeutet. Es handelt sich dabei um jene maximale Leistung (Watt), die ein Sportler über den Zeitraum 60 Minuten konstant aufrecht erhalten kann. Das Konzept zum FTP-Wert stammt von Sportwissenschaftler Dr. Andy Coggan und dient als Basis für eine Vielzahl weiterer Werte für die Trainings- und Wettkampfsteuerung. 

Um leistungsbasiert nach FTP trainieren zu können muss man seinen Wert natürlich erstmal kennen. Dieser lässt sich zum Glück anhand unterschiedlicher Testmethoden relativ einfach ermitteln. So gibt es mittlerweile diverse Softwaretools mit vordefinierten FTP-Test-Programmen, die eine interaktive Anleitung und automatisierter Auswertung mit einschließen (z.B. Zwift oder TrainerRoad).

Man kommt aber auch um solche kostenpflichtige Tools herum, indem man einen 20- Minuten-Self-Made-Test durchläuft. Hierbei wird 20-Minuten lang möglichst konstant mit maximaler Leistung gekurbelt. Um den FTP-Wert zu ermitteln nimmt man die 20 minütige Durchschnittsleistung und multipliziert sie mit 0,95. Voilá, schon hat man seinen persönlichen FTP-Wert ermittelt. 

Formel: (Durchschnittsleistung 20 Minuten) x 0,95 = FTP in Watt

Die Berechnung leistungsbasierter Trainingszonen nach Dr. Andy Coggan könnte z.B. so aussehen:

Active Recovery – FTP: < 55% = unter x Watt 

Endurance – FTP: 56% – 75% = 159 bis x Watt

Tempo – FTP: 76% – 90% = von bis Watt

Lactate Threshold – FTP: 91% – 105% = von bis Watt

VO2 Max – FTP: 106% – 120% = 304 bis von bis Watt

Anaerobic Capacity – FTP: > 121% = über x Watt

Faustegel: am sinnvollsten erscheint es die Strecke im Bereich von rund 80% (+/-) seiner funktionalen Schwellenleistung (FTP) zu fahren. Dafür spricht folgendes: während man oberhalb der Schwelle nur wenige Minuten fahren kann und der FTP-Wert für maximal 60 Minuten gilt, so lassen sich rund 80% des FTP-Werts durchgängig über mehrere Stunden kurbeln. Es stellt nicht nur die sicherste Methode dar, mit dieser Leistungsentfaltung den Ötztaler zu bezwingen sondern eröffnet die Möglichkeit gewisse Zwischenzeiten für diverse Checkpoints (z.B. Zeitmesspunkte) zu ermitteln.

Allerdings gilt zu beachten, dass auf einer Höhe von 2.000 m die FTP um etwa 10% abnimmt, d.h. am Kühtai, Jaufen und Timmelsjoch Leistungseinbußen bestehen.

Es gibt noch eine weitere Methode seine eigene Schwellenleistung zu ermitteln, indem ein Berg 30 Minuten am Anschlag gefahren wird. Die ermitteten Durchschnittsgeschwindigkeit, Größe, Gewicht etc. gibt man in der Eingabemaske unter kreuzotter.de/ ein, wo die entsprechende Wattzahl berechnet wird welche in etwa der Schwellenleistung entspricht.

Woran die Wenigsten denken: Konzentrationsleistung - speziell auf den langen Passabfahrten - saugt ebenso Energie. Gesellt sich Kälte, Hitze, Nebel, Windböen oder Regennässe hinzu kann ohne weiteres an die Grenzen seiner Belastungsfähigkeit kommen. Zudem verursacht innere Auskühlung Körperzittern was sich u.U. auf den Rahmen überträgt und den Geradeauslauf besonders bei höhrem Tempo beeinträchtigt. Taubheitsgefühl in den Händen erschwert es den Lenker fest zu halten bzw. Bremsvorgänge feinfühlig zu dosieren. Beschlägt die Brille besteht bei allem Verdruss schlechte Sicht. Um auch unter widrigen Wetterbedingungen alles im Griff zu haben ist ein angepasster Fahrstil unabdingbar.

Petra Lehner, Mental-Coach bringt eine Tatsache auf den Punkt: "wir sind nie dieselben wenn wir ankommen als die die wir waren als wir weg gefahren sind". Nicht nur der Körper verädnert sondern auch das Hirn, die Psyche und Erlebeniswelt hat sich verändert - also hat sich das Leben verändert".

 damit der Traum in Erfüllung geht:

  • gleichmäßige Intensität, ca. 80-85% der FTP-Leistung (im Fettstoffwechsel) 
  • ökonomischer Fahrstil ohne anaerobe Belastungsspitzen (auf Watt/Hzfr. achten)
  • das Pacing dem situativen Befinden anpassen
  • Windschattengelegenheiten nutzen (Ötztal, Sellraintal, Brennerstraße)
  • bei Schwächephasen Ruhe bewahren, rasten, trinken, essen - dies verschafft meist die "zweite Luft" 
  • Materialcheck: Bremsbeläge, Bautenzüge, Felgen, Reifen, Kette, Schaltung usw.
  • Vorsicht bei seitenwindempfindlichen Carbon-Hochbettfelgen (schlechtes Nassbremsverhalten)
  • Räder gesichert in versperrte Räume unterbringen - keinesfalls im Auto lassen!

Leistungsvergleich Profis - Radmarathon-Elite - Hobbyfahrer

Am 25. August 2017 fand die erste Ausgabe des Profirennens »Pro Ötztaler 5500« statt, das auf Anhieb in die Hors Categorie 1.1 eingestuft wurde und überdies Teil der UCI Europe Tour war. In den sozialen Netzwerken entbrannte eine eifrige Diskussion darüber was Profis auf der Originalstrecke des Ötztal-Radmarathons zu leisten im stande sind. Vor allem um die imaginäre Siegerzeit wurde weit verbreitet orakelt. Der Tscheche Roman Kreuziger (Orica-Scott) beendete die Spekulationen und brannte in dem - nicht unbedingt top-besetzten Profirennen - eine Zeit von 6:37 Stunden in den Asphalt. Er siegte als Solist mit 43 Sekunden Vorsprung auf den Slowenen Simon Spilak (Katusha-Alpecin).

Mit »Bora-Hansgrohe« ,»Orica-Scott« und »Katusha-Alpecin« nahmen an dem schwersten Eintages-Profirennen der Welt jedoch nur 3 WorldTour-Teams teil. Kreuziger brach damit den bisherigen Streckenrekord und distanzierte mit seiner Siegerzeit die besten Fahrer der Marathon-Elite des Ötztal-Radmarathons um rund zwanzig Minuten. 

Gleichwohl hinkt ein derartiger Zeitvergleich, da z.B. Streckenneutralisation (10 km) und Renntaktik nicht die theoretisch schnellstmögliche Fahrzeit widerspiegelt. Demzufolge darf über die Frage, welche Rekordmarke Weltklasse-Profis wie z.B. Froome, Dumoulin & Co frei von Strategiegeplänkel (reine Zeitenjagd) - oder wenn der "Ötzaler" gar als Königsetappe Bestandteil der Tour de France wäre - wohl tatsächlich setzen würden weiterhin fleißig spekuliert werden. Die Gretchenfrage, die so viele Radsportler umtreibt bleibt also weiterhin unbeantwortet.

Der bisherige Streckenrekord des Ötztal-Radmarathon - aufgestellt vom Schweizer Hugo Jenni (6:50:31 Stunden) - besteht bereits seit 2001. Den "Ötztaler" 2017 gewann übrigens Stefano Cecchini (ITA) mit einer Zeit von 6:56.34, vor Enrico Zen (ITA) und dem Deutschen Robert Petzold. 

Mathias Nothegger trat 2018 am Kühtai 4.8 Watt/kg. Fahrer die im Vergleich z.B. 1.8 Watt/kg weniger – sprich 3 Watt/kg - leisten, lassen allein am Kühtai gut 25 min. Zeit liegen. Doch erfahrungsgemäß vergrößert sich die Leistungsschere an den folgenden Pässen zusehenst, d.h. der Leistungsrückgang zwischen guten und durchschnittlichen Fahrern fällt überproportional aus. Wer über eine ausgezeichnete Ausdauer und aerobe Grundlage verfügt, dessen Leistungsabfall pendelt sich zwischen Kühtai und Timmelsjoch auf etwa 5% ein, während  (unter-) durchschnittliche Fahrer bis zu 25% ihrer Leistungsfähigkeit verlieren.

Interessant der Vergleich, wieviel Höhenmeter pro Stunde Pro's und Amateure schaffen. Während im PRO Race 1300-1400m/h überwunden wurden waren Petzold & seine Konkurrenten mit 1200-1300m/h nur unwesentlich langsamer. Die Leistungsschere wird erst beim Mittelfeld deutlich, wo pro Stunde "nur" 650-900 Höhenmeter bewältigt wurden. Potentielle Siegfahrer die auf 7-Stunden Kurs unterwegs sind, sind demnach auch am Berg von der Weltspitze nicht weit entfernt. Die fehlende Leistung liegt im Bereich von etwa  0,2-0,4w/kg.

Robert Petzold liefert im Schatten italienischer Bergflöhe - über 7 Stunden hinweg  eine erstaunlich konstante Leistung. Neben einer höheren Schwellenleistung (mind. 5w/kg) bauen Marathon-Spezialisten auch nach etlichen Stunden viel weniger ab als durchschnittliche Jedermänner. Hier liegt der Schlüssel zum Erfolg einer Spitzenleistung. Im dichten Hauptfeld der Hobbyfahrer fällt der fortschreitende Leistungsabfall signifikant aus. 

Die Unterschiede in der Konditionierung zeigt sich zum einen in der maximalen Leistungsfähigkeit sowie darin teils über der Schwelle fahren zu können, da eine ausgeprägtere Resistenz bei Beschleunigungphasen sind. In den roten Bereich zu gehen ist für Profis kein großes Problem weil sie kurzzeitige Extrembelastungen wie z.B. scharfe Attacken einfach besser wegstecken sprich sich schneller davon erholen. 

Mit breitensportüblichen Trainingsumfängen gelingt es kaum, die aerobe Konditionierung für Wettkämpfe jenseits von 8 Stunden zu erarbeiten. Demzufolge sind Leistungseinbußen von mehr als  20% keine Seltenheit. Umgerechnet auf die Gesamtdistanz würde beispielsweise ausgehend von einer 10 Stunden-Zeit ein Leistungsverlust von 20% ab dem Brenner (etwa die Hälfte der Streckendistanz) hochgerechnet gut eine Stunde kosten. Von daher macht es durchaus Sinn, die Wattleistung in der Anfangsphase (Kühtai) etwas zu drosseln, um am Timmelsjoch nicht zuviel Energie zu verlieren und dann womöglich einzugehen. Was auch nicht vergessen werden darf: ab einer Höhe von 2 000 m sinkt die Wattleistung um ca. 10%.

Fazit: wer gleichmäßig und ökonomisch knapp unter der Schwelle fährt und je nach augenblicklicher Befindlichkeit feinfühlig sein Pacing danach ausrichtet hat gute Chancen beim Ötztal-Radmarathon seine persönlichen Zielsetzungen zu erreichen.